Milliardenumsatz erwartet
Bayer-Medikament gegen Schlaganfälle genehmigt

Das Bayer-Medikament Xarelto, das zur Behandlung bei Schlaganfällen eingesetzt werden soll, wurde jetzt in den USA zugelassen. Der Pharmakonzern rechnet mit einem Spitzenumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro jährlich.
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FrankfurtBayer hat mit seinem neuen Schlaganfall-Mittel Xarelto auf dem weltgrößten Pharmamarkt USA einen Durchbruch erzielt. Die US-Gesundheitsbehörde FDA gab am Freitag grünes Licht für den Verkauf der Tablette zum Schutz vor Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern, einer typischen Form von Herzrhythmusstörungen. Für den Leverkusener Traditionskonzern ist Xarelto derzeit der größte Hoffnungsträger im Pharmageschäft.

Bayer arbeitet bei dem Präparat mit dem US-Pharmariesen Johnson & Johnson (J&J) zusammen, der in den USA die Vertriebsrechte besitzt. Bayer traut dem Mittel - alle Anwendungsgebiete zusammengenommen - einen weltweiten Spitzenumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr zu. Ein großer Teil dürfte auf das Behandlungsfeld Schlaganfall-Vorbeugung entfallen. Allein in den USA leiden rund 2,3 Millionen Menschen an Vorhofflimmern.

Dieses Therapiegebiet ist deutlich größer als der Einsatz zur Verhinderung von Blutgerinnseln nach größeren orthopädischen Operationen, für das Xarelto bereits auf dem Markt ist. „Diese Zulassung gibt Ärzten und Patienten eine weitere Behandlungsoption“, erklärte Norman Stockbridge, der bei der US-Behörde für die Bewertung von Herzkreislauf-Präparaten zuständig ist.

Die FDA teilte zudem mit, dass der Beipackzettel für Xarelto einen Warnhinweis enthalten wird. Darin soll deutlich gemacht werden, dass Patienten das Präparat nicht ohne Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen sollen.

Xarelto gehört zu einer neuen Gruppe von Arzneien, die das jahrzehntealte, inzwischen patentfreie Warfarin als Mittel zur Schlaganfallprävention ablösen sollen. Das einst als Rattengift entwickelte Präparat galt bislang als Medikament der Wahl zur Vermeidung von Schlaganfällen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Analysten sehen für die neuen Präparate riesige Chancen und schätzen das weltweite Marktpotenzial auf zehn bis zwanzig Milliarden Dollar.

Größter Konkurrent von Bayer auf diesem Gebiet ist aktuell der Familienkonzern Boehringer Ingelheim, dessen Pille Pradaxa bereits in den USA seit November 2010 zur Vorbeugung vor Schlaganfällen auf dem Markt ist. Auch in Europa und in weiteren Ländern hat Pradaxa auf diesem Gebiet zur Zeit die Nase vorn. Darüber hinaus drängen die US-Pharmariesen Pfizer und Bristol Myers Squibb mit ihrem Entwicklungskandidaten Eliquis auf diesen Markt.

Der japanische Pharmakonzern Daichi Sankyo hat mit seiner neuen Arznei Lixiana ebenfalls ein Konkurrenzmittel in der Entwicklung.

In Europa winkt Bayer ebenfalls die Zulassung seines neuen Schlaganfallmittels. Der Arzneimittelausschuss der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA hatte im September empfohlen, Xarelto zum Schutz vor Schlaganfällen sowie zur Behandlung von bestimmten Thrombosen zuzulassen. Üblicherweise folgt die EU-Kommission der Empfehlung der Arzneimittelbehörde innerhalb kurzer Zeit. In Europa liegen die Rechte allein bei Bayer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Pradaxa ist keine Pille. Bitte besser recherchieren.

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