Milliardenverlust
Ford erwartet ein Desaster in Europa

In den USA läuft das Geschäft. Doch der europäische Markt kann für Ford zum Milliardengrab werden. Im laufenden Geschäftsjahr rechnen die Amerikaner mit einem Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar.
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DetroitAlan Mulally ist es eigentlich gewohnt, Erfolgsmeldungen zu präsentieren und sich für seine Erfolge feiern zu lassen. Der heutige Mittwoch dürfte dem Chef des zweitgrößten US-Autobauers Ford deshalb ganz und gar nicht gefallen. Der Konzern, teilte Mullaly am Morgen mit, habe im zweiten Quartal einen herben Gewinneinbruch um 57 Prozent erlitten. Die Prognose für das Gesamtjahr nahm der Manager auch gleich noch zurück.

Schuld an dem Schlamassel ist das Europa-Geschäft. Die Krise halte viele Menschen davon ab, sich ein neues Auto zuzulegen, klagt Ford. Allein im zweiten Quartal fiel hier ein operativer Verlust von 404 Millionen Dollar an – nach einem Minus von 149 Millionen im ersten Quartal. Im zweiten Vierteljahr 2011 hatte Ford  noch 176 Millionen Gewinn gemacht.

Die Aussichten hätten sich sogar noch verschlechtert: „Angesichts des zerbröckelnden Umfeldes in Europa rechnet Ford nun mit einem Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar auf dem Kontinent“, heißt es in dem Zwischenbericht. Bislang war von einem nur halb so hohen Minus die Rede gewesen. „Es ist brutal, einfach nur brutal“, sagte der Fondsmanager Gary Bradshaw von Hodges Capital Management der Finanznachrictenagentur Bloomberg. Ford habe in den USA „einen beachtlichen Job gemacht“, doch das Europa zerstöre die ganzen Erfolge wieder.  

Und tatsächlich läuft das Geschäft angesichts des brummenden Auto-Verkaufs in Nordamerika, China und Südamerika insgesamt rund. Der Autobauer, der anders als die Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler unter Mulallys Führung sicher durch die große Krise 2008/2009 gekommen war, konnte am Mittwoch das 13. Quartal in Folge mit schwarzen Zahlen abschließen.

Insgesamt lag der Nettogewinn zwischen April und Juni bei 2,4 Milliarden Dollar (Vorjahreszeitraum: knapp 5 Milliarden). Der Umsatz fiel um 3 Milliarden Dollar auf rund 66 Milliarden Dollar. Ein Grund für den Gewinneinbruch seien auch nachteilige Steuereffekte, teilte Ford mit. Die Anleger reagierten unentschlossen auf die Zahlen: Die Ford-Aktien starteten nahezu unverändert mit 9 Dollar in den Handel.

Seit dem letzten Hoch im Februar hat das Papier allerdings rund 50 Prozent seines Wertes verloren, und die düsteren Aussichten Mulallys vom Mittwoch dürften das Vertrauen nicht gerade stärken. Die Lage sei ernst, hieß es in dem Zwischenbericht. Fords Problem in Europa sind wie auch bei GM vor allem Überkapazitäten:  Die insgesamt neun Werke, darunter Köln und Saarlouis, fahren derzeit laut der Investmentbank Morgan Stanley nur mit einer Auslastung von 63 Prozent. „Das ist eine der vielen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen“, sagte Finanzvorstand Bob Shanks. 

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  • Hat jemand einen Blick auf die Ex-Ford Marke Jaguar geworfen? Rang 2 im Qualitätsranking. Der begleitende Kommentar ist leider unvollständig: "... gehört mittlerweile (...) Tata Motors. Auf die Qualität hat das offenbar keine Auswirkungen. " Doch, es hat Auswirkungen: Ausschliesslich positive!

  • Ich würde mal darauf tippen, dass der Artikel einen kleinen Fehler enthält: Umsatz und Gewinn beziehen sich wohl eher auf das erste Halbjahr als auf den angegebenen Zeitraum April bis Juni. Würde Ford in einem Quartal 66 Mrd. Umsatz machen, wären sie heute schon mit rießen Abstand größter Automobilhersteller...

  • Wenn sowohl Ford als auch Opel unter amerikanischem management heftige Probleme haben,spricht das nicht gegen die Fahrzeuge, sondern gegen das Management. Mein Fazit: Die US-Amerikaner können es nicht.

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