Millionen-Abschreibung
Stahlkonzern Arcelor-Mittal baut um

Der indische Stahlkonzern Arcelor-Mittal bringt seinen Edelstahlbereich an die Börse, im europäischen Vergleich fällt die Sparte aber im Wettbewerb mit Thyssen-Krupp zurück. Zunächst einmal muss der Branchenprimus mit dem Umbau Abschreibungen von rund 800 Millionen Dollar vornehmen.
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FRANKFURT. Der Stahlkonzern Arcelor-Mittal hat die Abspaltung seiner Edelstahlsparte auf den Weg gebracht. Ein solcher Schritt sei im Interesse der Aktionäre, teilte das Unternehmen am heutigen Mittwoch nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Zunächst einmal muss der Branchenprimus mit dem Umbau Abschreibungen von rund 800 Millionen Dollar vornehmen. Der Geschäftsbereich mit 11 000 Mitarbeitern soll im ersten Quartal ausgegliedert und an die Börse gebracht werden.

Die Aktionäre von Arcelor-Mittal sollen pro 20 Titel des Hüttenkonzerns einen Anteilsschein der neuen Gesellschaft erhalten. Größter Aktionär wird damit die Familie Mittal mit knapp 41 Prozent sein.

Auch wenn Arcelor-Mittal die Wachstumschancen im Edelstahlgeschäft herausstreicht und Konzerngründer Lakshmi Mittal langfristig engagiert bleiben will – Grund für die Ausgliederung dürften vor allem Überkapazitäten auf dem Markt und die Volatilität sein, unter der das Geschäft mit rostfreiem Stahl leidet. Die Flaute in dem Geschäft hatte Arcelor-Mittal im vergangenen Jahr massiv belastet; 2009 hatte sich der Umsatz halbiert und das Ergebnis war tiefrot. Kaum besser erging es den Konkurrenten Thyssen-Krupp, Outokumpu und Acerinox, die ebenfalls hohe Verluste mit Edelstahl einfuhren. Die Wettbewerber kamen in diesem Jahr aber besser aus den Startlöchern. So konnten sie anders als Arcelor-Mittal in den ersten neun Monaten bereits das Umsatzniveau aus dem Gesamtjahr 2009 übertreffen.

Experten befürworten Abspaltung

Die Schwäche bei Arcelor-Mittal macht sich in der Marktaufteilung bemerkbar. Die Luxemburger fielen gemessen am Umsatz im bisherigen Jahresverlauf hinter Thyssen-Krupp und der spanischen Acerinox auf Platz drei zurück. Arcelor-Mittal muss sich nun bemühen, nicht auch noch von der finnischen Outokumpu überholt zu werden, die mit aggressiven Preisen ihren Marktanteil ausbaut. Experten begrüßen die geplante Abspaltung des Edelstahlgeschäfts, da der Bereich so besser geführt werden könne. Eine erste Vorstellung über die Perspektiven präsentierte Spartenvorstand Bernard Fontana, der nach dem Börsengang Chef der neuen Gesellschaft bleiben soll, kürzlich Analysten. Mit Produktionsstätten in Belgien und Brasilien sieht er den Börsenaspiranten für die Markterholung gerüstet. So sei die Nachfrage in den Schwellenländern groß, und in Europa erhole sich das Geschäft, sagte er. Bis 2013 oder 2014 soll in Westeuropa das Vorkrisenniveau erreicht werden. Weltweit summierte sich die Edelstahlproduktion im vergangenen Jahr auf 17 Millionen Tonnen, getrieben von China soll der Absatz bis 2014 auf 25 Millionen Tonnen steigen.

Noch ist der Markt aber von Überkapazitäten vor allem in Europa geprägt, die eine Erholung der Edelstahlpreise erschwert. Für das erste Quartal könne aber mit einer nachhaltigen Erholung auch in Europa gerechnet werden, meinen die Marktforscher von MEPS. Allerdings sei zweifelhaft, ob das Niveau früherer Jahre erreicht werde.

Mit Blick auf die Überkapazitäten hatten die vier europäischen Edelstahlproduzenten bereits Fusionsmöglichkeiten ausgelotet, die aber an Kartellauflagen gescheitert wären. Seitdem rüsten sich die Firmen für einen Alleingang. Marktführer Thyssen-Krupp baut derzeit sein Edelstahlgeschäft um, was mittelfristig zu besseren Erlösen führen soll. An einer Konsolidierung führt aus Sicht von Experten aber kein Weg vorbei. Zu groß sind die Überkapazitäten in Europa. Den Börsengang der Arcelor-Mittal-Sparte werten Analysten als ersten Schritt in diese Richtung.

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