Millionenzahlung
Streit um Beiersdorf geht vor Gericht

Am Mittwoch wird nach mehrfachen Verzögerungen vor dem Landgericht Hamburg die Klage von Minderheitsaktionären gegen die stadteigene Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung (HGV) verhandelt

HB HAMBURG.Der Streit um ein Übernahmeangebot für die freien Aktionäre des Hamburger Kosmetikkonzerns Beiersdorf geht in die nächste Runde. Am Mittwoch wird nach mehrfachen Verzögerungen vor dem Landgericht Hamburg die Klage von Minderheitsaktionären gegen die stadteigene Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung (HGV) verhandelt, bestätigte ein Gerichtssprecher.

Der Rechtsstreit ist für Hamburg bedeutend: Im Falle einer Niederlage müsste die HGV einen Beitrag im hohen zweistelligen Millionenbetrag zahlen, um den Streubesitz abzufinden. Gegen die HGV hatte unter anderem der amerikanische Investor Peter Schoenfeld Mitte 2004 geklagt. Die HGV ist mit zehn Prozent an Beiersdorf beteiligt.

In dem Streit geht es um den Verkauf des 40-prozentigen Anteils der Allianz an Beiersdorf Ende 2003. Erwerber waren die HGV, Tchibo sowie der Pensionsfonds Troma. Nach Ansicht von Kleinaktionären hat die HGV mit den beiden anderen Partnern eine Kontrollmehrheit von 40 Prozent erworben. Nach dem Wertpapier-Übernahmegesetz sind Erwerber einer Kontrollmehrheit von mehr als 30 Prozent – einzeln oder durch eine Bietergemeinschaft – dazu verpflichtet, den freien Aktionären ein Pflichtangebot zu unterbreiten.

Die HGV bleibt gelassen. „Wir schätzen die Erfolgsaussichten der Gegenpartei als gering ein“, betonte HGV-Geschäftsführer Andreas Reuß. Auch Tchibo sieht für eine Abfindung keinen Anlass. Rückendeckung erhalten die Beiersdorf-Eigner durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Sie hatte bereits 2004 entschieden, dass die Käufer kein Pflichtangebot abgeben müssten.

Für die BaFin ist der Nachweis von koordiniertem Vorgehen einer Aktionärsgruppe („Acting in Concert“) ausgesprochen schwierig. Sie scheiterte 2005 am bislang spektakulärsten Fall der Deutschen Börse. Damals kauften sich Hedge-Fonds ein, verbündeten sich mit Investmentfirmen und torpedierten den geplanten Kauf der Londoner Börse. Der BaFin gelang es aber trotz intensiver Recherchen nicht, den Fonds ein abgestimmtes Verhalten nachzuweisen. Dazu waren ihre Ermittlungsbefugnisse nach Einschätzung von Experten zu schwach.ben/lip

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