Minderheitsaktionäre suchen einvernehmliche Lösung
MTU-Gründer gehen auf Daimler zu

Im Streit um den milliardenschweren Verkauf des Dieselmotorenherstellers MTU Friedrichshafen wollen die Minderheitsaktionäre einen drohenden Rechtsstreit mit dem Autokonzern Daimler-Chrysler noch abwenden.

HB FRANKFURT. „Ich gehe davon aus, dass wir noch vor der Gesellschafterversammlung am 1. September eine einvernehmliche Lösung mit Daimler erreichen und damit einen Rechtsstreit noch vermeiden können“, sagte Graf Albrecht von Brandenstein-Zeppelin dem Handelsblatt. Er meldete sich damit erstmals öffentlich in der Auseinandersetzung zu Wort. Die ins Stocken geratenen Verkaufsverhandlungen für MTU Friedrichshafen geraten somit wieder in Bewegung. Ein Daimler-Sprecher wollte die Aussagen nicht kommentieren.

Hinter den Kulissen wird bereits intensiv nach einer Einigung zwischen den zerstrittenen Seiten gesucht. Die Gründerfamilien Schmid-Maybach und Brandenstein-Zeppelin stünden in „permanenten Kontakt mit dem zuständigen Entscheidungsträger“ des Autokonzerns, sagte der Graf, der zusammen mit Irmgard Schmid-Maybach die Familiengesellschafter im Aufsichtsrat vertritt. Die Verhandlungen auf Seiten des Autokonzerns führt Daimler-Vorstand und MTU-Aufsichtsratschef Rüdiger Grube. Die Gründerfamilien hätten „präzise Vorstellungen“ wie ein Kompromiss aussehen könne. Zu näheren Details wollte er sich nicht äußern. „Ich bin total entspannt“, sagte der Graf lediglich.

Die Gründerfamilien, die nur über zwölf Prozent an MTU, aber über weitreichende Vetorechte verfügen, reagieren damit auf den wachsenden Druck des Autoherstellers. Die Stuttgarter hatten vor wenigen Tagen konkrete Schritte eingeleitet, um die widerstrebenden Gründerfamilien auszuhebeln. Dazu berief der Hersteller eine Gesellschafterversammlung ein, um den Geschäftsbetrieb komplett in eine Tochterfirma einzubringen. Auf diese Weise sollen die Vetorechte der Familiengesellschafter umgangen und das Unternehmen in einem neuen Bieterverfahren als Ganzes an einen Investor verkauft werden. Der Erlös solle anschließend gemäß den Anteilen unter den Gesellschaftern aufgeteilt werden.

Der geplante Verkauf war vor wenigen Wochen von dem Autokonzern auf Eis gelegt worden, nach dem die Familiengesellschafter eine acht Monate währende Exklusiv-Vereinbarung mit dem US-Finanzinvestor Carlyle getroffen hatten. Der Autohersteller fühlt sich davon brüskiert und legte seinerseits gegen diesen Verkauf sein Veto ein. Daimler pocht darauf, dass mit den Familien die Zulassung von mindestens zwei Bietern zum Verkaufsprozess vereinbart gewesen sei. Allein mit Carlyle habe eine Fortsetzung des Verfahrens keinen Sinn gemacht, hieß es.

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