Minderheitsbeteiligung an Endesa nicht ausgeschlossen
Eon backt kleine Brötchen

Eon ist noch zu einem längeren Kampf um den spanischen Versorger Endesa entschlossen. Vorstandschef Wulf Bernotat hat am Mittwoch auf der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens jedoch erstmals öffentlich angedeutet, dass sein Unternehmen sich zunächst mit einer Minderheitsposition begnügen könnte.

HB/juf DÜSSELDORF. „Wir werden versuchen die Mehrheit zu bekommen, wir haben allerdings das Recht, auf diese Bedingung zu verzichten“, sagte Bernotat. Nach dem Einstieg des Konkurrenten Enel spielt der deutsche Branchenprimus offenbar auf Zeit und will sich bis zum Ablauf der Annahmefrist am 29. März möglichst viele Aktien sichern, um dann zu entscheiden, ob er aufgibt oder weiter macht. Analysten spekulieren bereits über eine Aufspaltung von Endesa unter den Großaktionären.

Am abend zuvor hatte der Energiekonzern überraschend die Bedingungen für seine 41 Mrd. Euro schwere Offerte entscheidend abgemildert. Die Aktionäre von Endesa müssen nun nicht mehr im Vorfeld die gültige Beschränkung der Stimmrechte auf maximal zehn Prozent aufheben. Endesa sagte die für den 20. März geplante Hauptversammlung bereits ab. Damit verzichtet Eon zunächst auf die Möglichkeit, Endesa zu kontrollieren, selbst wenn der Konzern doch noch die Mehrheit erreichen sollte. Man wolle den Prozess vereinfachen und sich voll auf die Übernahme der Aktienmehrheit konzentrieren, begründete Bernotat den Schritt. Die Eon-Aktie reagierte mit einem kräftigen Kursplus.

Eon plant im Übernahmepoker um den spanischen Stromversorger Endesa zudem vorerst keinen Gegenschlag gegen den Konkurrenten Enel. Nach Angaben Bernotats hat Eon bislang keine Aktien des italienischen Energiekonzerns gekauft. Auch eine rechtliche Auseinandersetzung ist nach seinen Worten derzeit nicht geplant. Es gebe auch nach dem Einstieg von Acciona und Enel mehr als nur eine rechnerische Möglichkeit, noch die Mehrheit zu erreichen, sagte Bernotat.

Eon-Angebot läuft noch bis zum 29. März

Das Eon-Angebot über insgesamt 41 Mrd. Euro läuft noch bis zum 29. März. Eon bietet den Endesa-Aktionären 38,75 Euro je Aktie. Bislang haben nach Angaben von Bernotat lediglich ein Prozent der Endesa-Aktionäre ihre Anteile angedient. Dies sei aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht ungewöhnlich, weil sich die Aktionäre normalerweise erst gegen Ende des Angebotzeitraumes entschieden, hieß es bei Eon. Erst wenn die endgültige Annahmequote klar ist, will Eon ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

Zu einem möglichen Alternativplan, sollte die Endesa-Übernahme doch scheitern, äußerte sich Bernotat am Mittwoch zurückhaltend. Er verwies darauf, dass es zahlreiche parallele Investitionsprojekte des Konzerns gebe, unter anderem der geplante Einstieg in den russischen Strommarkt. Über eine mögliche Änderung der Dividendenpolitik gebe es keine Entscheidung.

Unabhängig von Endesa will Eon sein Wachstum in diesem Jahr vorantreiben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll ebenso wie der Überschuss leicht steigen. 2006 kletterte der Umsatz um 21 Prozent auf 67,8 Mrd. Euro und das Ebit um zwölf Prozent auf 8,2 Mrd. Euro zu. Der Überschuss verringerte sich dagegen um 32 Prozent auf rund fünf Mrd. Euro. Im Jahr zuvor hatte Eon hohe Verkaufserlöse erzielt.

Eon kündigte zudem an, die Gaspreise für Privatkunden zu senken. Die Regionalversorger würden die Tarife um bis zu 8,4 Prozent kürzen. Dies sei bereits die zweite Preisrunde 2007. Insgesamt summierten sich die Abschläge auf 12 bis 13 Prozent.

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