Minen-Gigant
Rio Tinto bietet für Riversdale vier Milliarden Dollar

Die Spatzen haben es seit einigen Tagen schon von den Dächern gepfiffen, jetzt ist es fakt: Der Bergbau-Gigant Rio Tinto will den Kohleminen-Betreiber Riversdale für 3,9 Milliarden Dollar kaufen. Der Deal könnte erhebliche Folgen haben.
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HB SYDNEY. Beide Unternehmen gaben am Donnerstag eine entsprechende Vereinbarung bekannt. Rio Tinto ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Eisenerz. Die Übernahme würde dem Konzern Zugang zu großen Mengen an hochwertiger Kokskohle verschaffen, die zur Herstellung von Stahl benötigt wird.

Wichtige Standorte von Riversdale befinden sich in Afrika. So wird davon ausgegangen, dass sich Mosambik in den kommenden Jahren zum zweitwichtigsten Kokskohle-Exporteur weltweit entwickeln könnte. Der Rohstoff ist vor allem in Indien und China begehrt.

Rio Tinto und Riversdale teilten am Donnerstag mit, Rio habe seine ursprüngliche Offerte von 15 australischen Dollar auf 16 australische Dollar aufgestockt. Riversdale unterstütze das Angebot. Bedingung sei aber, dass Rio Tinto mehr als 50 Prozent der Riversdale-Papiere angedient bekomme und dass die Kartellbehörden dem Vorhaben zustimmten.

Riversdale empfahl seinen Aktionären am Donnerstag, das Rio-Tinto-Angebot anzunehmen. Die kartellrechtliche Genehmigung steht noch aus. Mit dem Deal würde Rio Tinto, der zweitgrößte Kohleförderer der Welt, unter anderem Kokskohle-Projekte in Mosambik und anderen afrikanischen Ländern hinzugewinnen. Der an der Londoner Börse notierte Minenriese hatte für Riversdale rund 3,9 Milliarden australische Dollar (rund drei Milliarden Euro) geboten. Der Kaufpreis entspricht einem Gebot von 16 australischen Dollar pro Aktie.

Riversdale verfügt in seinen Bergwerken in Mosambik über große Vorräte an hochwertiger Kokskohle, die vor allem für Stahlhersteller wichtig ist. Haupteigner des Unternehmens sind derzeit der indische Stahlkonzern Tata Steel, der brasilianische Stahlbauer CSN und der US-Hedgefonds Passport Capital.

Früheren Medienberichten zufolge hatten unter anderem der luxemburgische Stahlkonzern ArcelorMittal sowie die Bergbaukonzerne Vale und Anglo American Interesse bekundet. Auch ein Konsortium indischer Firmen soll interessiert gewesen sein.

Rio-Tinto-Energie-Chef Doug Ritchie sagte in einem Statement, dank Rio Tintos großer Erfahrung in Sachen Infrastruktur und Entwicklung von Großprojekten und der großen Kapitalkraft des Konzerns sei man gut darauf vorbereitet, Riversdale in die nächste Phase seiner Entwicklung zu führen. Rio Tinto sei eines der weltweit wenigen Unternehmen mit der Möglichkeit, Finanzkraft und Motivation, die Projekte in Afrika schnell und auf Weltklasseniveau zu entwickeln. Davon sollten auch die Menschen vor Ort profitieren.

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  • Dass sich auf vielen Märkten die Unternehmenskonzentration in Richtung Monopolisierung in der Krise verstärkt hat (historische gesehen die 6. große M&A-Welle), ist eine überaus beunruhigende Entwicklung.

    Es wir fatalerweise nicht wahrgenommen, dass das nicht nur alle Voraussetzungen für wirksamen, wachstumbringenden Wettbewerb zerstört. Vielmehr wird ebenfalls nicht gesehen, dass dadurch auch die Abhängigkeit der Volkswirtschaften der industriestaaten von immer weniger sehr großen Global Playern erheblich erhöht wird (siehe dazu http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html).

    Die Talfahrt nach der Lehman-Pleite hat gezeigt, wie gefährlich diese Abhängigkeit für die Global Player und für die industriestaaten ohnehin schon war. Umsatzeinbrüche von 20 Prozent und mehr waren seinerzeit keine Seltenheit und es traf in erster Linie die Konzerne hart.

    Ein Rückfall in die Krise dürfte angesichts dieser Entwicklung bei M&A zu noch ernsteren Problemen führen als wir sie von der Lehman-Pleite her schon kennen. in immer mehr branchen gibt es jetzt potenzielle "Too big To Fail"-Fälle. Und die Gefahr einer erneuten Verschärfung der Krise ist noch gestiegen.

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