Minenausbau in Australien
Wer die Regenbogenschlange stört

Es ist ein Ort, buchstäblich am Ende der Welt, den selbst die meisten Australier nicht kennen: In einem abgelegenen Winkel Australiens will der Schweizer Konzern Xstrata seine Mine ausbauen. Die Ureinwohner fürchten Unheil – und die Rache eines Reptils.

SYDNEY. Wilde, von Menschenhand kaum berührte Natur. Flüsse und Tümpel, Mangrovenwälder – in den Uferregionen des Golfs von Carpentaria, 900 Kilometer südöstlich der nordaustralischen Stadt Darwin, sieht die Welt noch so aus wie vor Tausenden von Jahren. Gefährliche Salzwasserkrokodile liegen am Ufer, wärmen sich an den Strahlen der tropischen Sonne, nur um in Sekundenschnelle ins Wasser zu gleiten, wenn sie Hunger haben. Es gibt einen großen Reichtum an Fischen, Muscheln und Krustentieren.

Für die wenigen Aborigines, die seit Jahrtausenden rund um den McArthur-Fluss und in der Küstenregion jagen und fischen, ist das Gebiet zugleich Quelle der Nahrung und Sitz ihrer Seele. „Doch das alles“, sagt Felicity Campbell, „könnte bald zerstört sein“. Die Vorsitzende der Mabunji Aboriginal Resource Association im kleinen Dorf Booroloola ist derart erschüttert von den Entwicklungen der letzten Tage, dass ihre Stimme zu zittern beginnt.

Es geschah vor wenigen Tagen: Da gab der australische Umweltminister Ian Campbell in Canberra grünes Licht für den Ausbau der McArthur-River-Mine, rund 30 Kilometer von Booroloola entfernt. Davor hatte bereits die Regierung des Northern Territory in Darwin ihre Zustimmung erteilt. Seither ist der Friede in der Wildnis gestört. Die Menschen haben Angst: vor Überschwemmungen, giftigen Flüssen – und der Rache der Regenbogenschlange.

Das Minen-Projekt steht stellvertretend für Konflikte zwischen Wirtschaft und Umwelt, die immer wieder vorkommen in der Region. Im benachbarten Papua-Neuguinea etwa zerstörte in den neunziger Jahren der damals noch rein australische Rohstoffgigant Broken Hill Proprietary (BHP) mit einer Mine einen ganzen Landstrich und die Existenz unzähliger Anwohner, weil giftige Abwässer in einen Fluss gelangten.

Jetzt also McArthur River Mining (MRM), ein Unternehmen des Schweizer Rohstoffhauses Xstrata. MRM fördert seit 1995 Zink und Blei aus einer der laut Experten reichsten Erzlagerstätten der Welt. 430 Angestellte sind in der Anlage beschäftigt; 1 400 weitere profitieren als Zulieferer und Vertragsarbeiter indirekt vom Projekt, sagt Direktor Brian Hearne. Der Ausstoß der Untertagebaumine ist gigantisch: 70 Prozent des weltweit geförderten Zink- und Bleikonzentrats stammen von MRM.

Der feine Metallstaub endet in Schmelzanlagen in Rumänien, Japan, Polen und China, dessen Wirtschaft einen phänomenalen Wachstumsboom erlebt. Für MRM steht außer Frage, dass das Projekt positive wirtschaftliche Auswirkungen hat auf eine der isoliertesten Regionen des fünften Kontinents. Die Anlage biete den vielen Einheimischen nicht nur Arbeitsplätze, heißt es bei MRM. Sie trage mit jährlich rund 350 Millionen australischen Dollar an Steuern und Abgaben auch zur Wirtschaft des Northern Territory bei. Das ist viel für eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Australiens.

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