Minenkonzerne
Totems und Tränengas

Raphael Mapou steht auf einem Hügel und blickt hinab auf seine grüne, pazifische Heimat. Neben ihm steckt ein Totem im Boden von Neukaledonien. Solange der hier stehe, schwört Raphael Mapou, so lange werde auch aus dem Goro-Projekt nichts werden.

NOUMEA. „Es wird eine Mobilisierung geben, und es wird Gewalt geben“, sagt er, „da gibt es keinen Zweifel.“

Die Manager des kanadischen Nickelkonzerns Inco wissen: Der Mann meint, was er sagt. Erst im April schlichen sich Mapous Mitstreiter nachts aufs Betriebsgelände und ließen Lastwagen und Bagger mitgehen – die Inco-Mitarbeiter anderntags auf der ganzen Insel verstreut wieder einsammeln mussten. Zuvor hatten die Neukaledonier schon eine Kreuzung vor dem Werkseingang blockiert und konnten von der Polizei nur mit Tränengas wieder vertrieben werden.

Der Friede zwischen den Bürgern und dem größten Investor ist hin auf der Pazifikinsel nördlich von Australien, die seit 1853 als Überseegebiet zu Frankreich gehört.

Triebfeder des Konflikts auf der Insel im Korallenmeer ist die Hausse an den Rohstoffmärkten. Inco will auf Neukaledonien eine der größten Nickelminen der Welt eröffnen. Das Projekt schien anno 2002 fast tot zu sein, ehe die Nickelpreise von Rekord zu Rekord stiegen. Nun würde sich für Inco die Ausbeutung des schwach nickelhaltigen neukaledonischen Erzes endlich lohnen.

Seit langem tobt unter den Minenkonzernen ein Kampf um die Vormachtstellung am Weltmarkt. Vergangene Woche platzte Incos Übernahmeversuch des kanadischen Wettbewerbers Falconbridge. Statt einer Dreier- soll es nun nur noch eine Zweierhochzeit mit dem US-Kupferkonzern Phelps Dodge geben. Aber auch die kanadische Teck Cominco will Inco schlucken, und die schweizerisch-britische Xstrata bietet für Falconbridge. Stark ist in diesem Titanenkampf auch der, der weltweit die besten Schürfplätze besetzt.

„Die Minenkonzerne stehen unter einem hohen Druck, attraktive Investments zu finden“, sagt Alex Gorbansky von der Unternehmensberatung Frontier Strategy Group. „Es wird immer mehr Projekte geben mit hohem Potenzial, aber auch hohen Herausforderungen“ – wie Incos Goro-Projekt in Neukaledonien.

Auf der 225 000-Einwohner-Insel wird seit dem frühen 19. Jahrhundert Nickel gefördert. Damals enthielten die Erzklumpen hier bis zu 15 Prozent Nickel. Einheimischen reichten eine Spitzhacke und Esel, um ins Geschäft zu kommen.

Was für zahlreiche Rohstoffvorkommen weltweit gilt, gilt auch für das Nickel Neukaledoniens: Billig zu hebende Schätze sind längst weg. Für die Minenkonzerne wird die Förderung immer aufwendiger. Nur noch zwei Prozent Nickel enthält das Erz von Goro, auf das es Inco abgesehen hat. Seit den 60er-Jahren sind die Lagerstätten auf der Insel – etwa 20 Prozent der Welt-Nickelreserven liegen hier im Pazifik – bekannt. Abgebaut wurden sie nie: Nur mit 260 Grad Hitze, hohem Druck und viel Säure ist das Nickel vom Gestein zu lösen – das war lange Jahre viel zu teuer.

Seite 1:

Totems und Tränengas

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%