Mischkonzern
Thyssen-Krupp-Aufseher billigen Radikalumbau

Der Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat hat grünes Licht für einen radikalen Konzernumbau gegeben. Durch die Neugliederung sollen Einsparungen von jährlich 500 Mio. Euro erreicht werden. Es wird mit dem Wegfall mehrerer hundert Arbeitsplätze allein in der Verwaltung gerechnet.

HB DÜSSELDORF. Der Aufsichtsrat des größten deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp hat am Freitag den Umbau des angeschlagenen Großunternehmens beschlossen. Die fünf Segmente würden zu zwei zusammengelegt, teilte das Unternehmen mit. Dadurch sollten Einsparungen von bis 500 Mio. Euro erzielt werden. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz lehnte den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen erneut ab. Diese sollten zwar vermieden werden. „Eine Garantie für den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen und Standortschließungen kann und werde ich ihnen aber nicht gegen können“, sagte er. Wie viele weitere Stellen abgebaut würden, lasse sich noch nicht beziffern.

Konzernbetriebsratschef Thomas Schlenz sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Arbeitnehmerseite habe dem Umbau unter Bedingungen zugestimmt. „Betriebsbedingte Kündigungen als Folge des Umbaus werden nicht erfolgen“, hieß es in einer Erklärung des Konzernbetriebsratschefs. Für Personalmaßnahmen sei ein Katalog von „beschäftigungswirksamen Instrumenten“ vereinbart worden. Dieser beinhalte das sozialverträgliche Ausscheiden von „rentennahen“ Jahrgängen. Zudem solle es nicht zu Einkommensverlusten im Zuge des Umbaus kommen. Der Vorstand solle bis zur Aufsichtsratssitzung am 13. Mai ein Gesamtkonzept vorlegen. Diese Punkte müssten eingehalten werden.

Nach den Umbauplänen sollen die Sparten Steel, Stainless und Services zum Beginn des kommenden Geschäftsjahres 2009/10 ebenso verschmolzen werden wie die Sparten Technologies und Elevator. Drei Vorstandsposten fallen dadurch weg. Die Restrukturierung stärkt die Vorstandsmitglieder Edwin Eichler und Olaf Berlien, die als mögliche Nachfolger des 67-Jährigen Schulz gehandelt werden. Sein Vertrag läuft bis 2011.

„Auch ich habe Fehler gemacht“, räumte Schulz ein. Ob es daraus Konsequenzen gebe, sei Sache des Aufsichtsrates. Als Beispiel nannte er die Kostenexplosion bei dem geplanten Stahlwerk in Brasilien. „Wir hätten möglicherweise in Brasilien eher eingreifen sollen.“ Für die Überschreitung des Budgets trage auch er die Verantwortung. ThyssenKrupp beziffert die Investitionen mittlerweile auf 4,5 Mrd. Euro, nachdem es zunächst drei Mrd. Euro kosten sollte. Mit einem weiteren Anstieg rechne er aber nicht, sagte Schulz.

Nach jahrelangen Boomzeiten ist ThyssenKrupp in schweres Fahrwasser geraten. Wegen der durch die Konjunkturflaute ausgelösten Krise in wichtigen Abnehmerbranchen wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau brechen dem Konzern die Aufträge weg. Der Konzern erwartet für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 (per Ende September) rote Zahlen und schließt auch für das Geschäftsjahr einen Verlust nicht mehr aus. Über 30 000 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Im In- und Ausland hat sich ThyssenKrupp bereits von fast 5000 Leiharbeitern getrennt.

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