Mischkonzerne
Haniel schreibt rote Zahlen

Der Ex-Chef des Mischkonzerns Haniel, Jürgen Kluge, hat dem Unternehmen einen Verlust im dreistelligem Millionenbereich hinterlassen. Diesen Herausforderungen muss sich jetzt Kluges Nachfolger Stephan Gemkow stellen.
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DüsseldorfDer ehemalige Vorstandschef Jürgen Kluge hat dem Mischkonzern Haniel rote Zahlen hinterlassen. Der Duisburger Konzern, der unter anderem an dem Pharmahändler Celesio und dem Handelsriesen Metro beteiligt ist, schrieb nach den ersten sechs Monaten 2012 einen Verlust von 285 Millionen Euro, wie Haniel am Freitag mitteilte.

Vor Jahresfrist hatte noch ein Gewinn von 96 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Auf Kluges Nachfolger Stephan Gemkow, der im August das Ruder übernommen hatte, kommen nun Herausforderungen zu. Denn für 2012 rechnet Haniel wegen Belastungen aus Beteiligungsverkäufen bei Celesio und voraussichtlich sinkender Ergebnisbeiträge durch die Metro insgesamt mit einem weiter schrumpfenden Gewinn vor Steuern.

Kluge hatte im Januar 2010 das Ruder bei dem traditionsreichen Familienkonzern übernommen - mit dem Versprechen, Haniel umzukrempeln. Er wollte den Mischkonzern durch Zukäufe auf Geschäfte mit guten Wachstumsaussichten ausrichten. Doch ein milliardenschwerer Schuldenberg machte Kluge zu schaffen - ebenso wie von öffentlichem Getöse begleitete Umbauten bei Metro und Celesio. Bei beiden Unternehmen wurden nach langen Machtkämpfen die Chefs ausgewechselt.

Bereits 2011 hatte Haniel bei einem stagnierenden Umsatz von 27,3 Milliarden Euro einen Einbruch beim Ergebnis vor Steuern verbucht - dieses halbierte sich fast auf 390 (620) Millionen Euro.

Der Pharmahändler Celesio, an dem Haniel mit knapp 55 Prozent beteiligt ist, hatte im Halbjahr hohe Verluste geschrieben. Von Januar bis Ende Juni fiel ein Minus von 184 Millionen Euro an. Der seit August 2011 amtierende Konzernchef Markus Pinger schlägt derzeit fast alle Firmen wieder los, die sein Vorgänger Fritz Oesterle in den Jahren zuvor geschluckt hatte. Für die meisten Zukäufe hatte Celesio seinerzeit hohe Preise gezahlt, die heute nicht mehr zu erzielen sind - deshalb musste Celesio Wertberichtigungen vornehmen, die auch Spuren in der Haniel-Bilanz hinterlassen.

Auch die zweite Großbeteiligung, der Handelsriese Metro, machte Haniel nur wenig Freude: Der Düsseldorfer Konzern schrieb im Halbjahr unter dem Strich einen Verlust. Der neue Metro-Chef Olaf Koch will die Umsätze des Konzerns ankurbeln und ihn künftig auch profitabler machen.

"Es gilt nun, die bereits begonnene strategische Neuausrichtung innerhalb der Gruppe konsequent fortzusetzen", betonte Gemkow, der von der Lufthansa zu Haniel gewechselt war. Zudem müsse Haniel die Schulden auf Holding-Ebene abbauen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mischkonzerne: Haniel schreibt rote Zahlen"

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  • Vor ein paar Jahren war man noch auf dem hohen Ross. Mit DocMorris wollte man die deutsche Apothekenstruktur zerstören, dumm nur, dass das die eigenen Kunden waren, und es anders kam, als gedacht. Die Apothekerzunft hat man zwar fast erledigt, doch es war ein Pyrrhussieg, wie man jetzt sieht. Die Beute werden jetzt andere nach Hause bringen.

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