Mischkonzerne
Siemens jagt General Electric

Siemens misst sich vor allem am großen Rivalen General Electric. Doch bei dem ewigen jungen Duell sollten die beiden Riesen auch ABB nicht vergessen. Den Schweizern ist ein furioses Comeback gelungen.
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SAO PAULO, MÜNCHEN. Das Rauschen verschlingt jedes Wort. Bis zu 60 000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde stürzen den gigantischen Entlastungskanal hinunter. Für seine jährlich 15 Millionen Besucher ist das Mitte der 70er-Jahre erbaute Wasserkraftwerk "Itaipu" (singender Fels) am Paraná-Fluss im Süden Brasiliens ein technisches Wunderwerk.

Mehr als 14 000 Megawatt Strom werden hier durch Wasserkraft erzeugt. Das ist Weltrekord. ABB-Ingenieur John Graham interessiert sich jedoch für einen anderen Wettstreit: "Hier steht es 11 zu 9 für Siemens", sagt der Brite und zeigt auf die 20 riesigen Generatoren, die den Strom erzeugen. Die Münchener haben zwei Anlagen mehr geliefert als die Schweizer.

Ob bei der Elektrizitätserzeugung, dem Bau von Hochleistungsstromnetzen oder der Industrieautomation: Überall liefern sich die Industriegiganten ABB, Siemens und General Electric (GE) ein Kopf-an-Kopf-Rennen. ABB-Chef Joe Hogan personifiziert diesen Wettbewerb der Giganten wie kein anderer. Vor seinem Wechsel zum Schweizer Konzern hat der Amerikaner bei GE die Gesundheitssparte geführt und war dort zeitweise auch Vorgesetzter des heutigen Siemens-Chefs Peter Löscher. "Ich konkurriere mit Siemens seit Beginn meiner Karriere", sagt Hogan.

ABB steht oft im Schatten des Zweikampfs zwischen Siemens und GE. Siemens-Chef Peter Löscher - der ebenfalls früher für General Electric gearbeitet hat - hatte vor allem den Erzrivalen aus den USA im Blick, als er bei der Vorlage eines operativen Rekordgewinns frohlockte, Siemens sei endlich "zurück in der Spitzengruppe der weltweiten Wettbewerber".

Doch beim ewig jungen Duell mit GE sollten die Münchener auch ABB nicht unterschätzen. Die Schweizer sind Weltmarktführer in der Stromübertragung und mit einem Jahresumsatz von fast 32 Milliarden Dollar und 117 000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern vertreten. Zwar hatte sich der Konzern Anfang des Jahrtausends mit teuren Übernahmen hoffnungslos verzettelt und stand kurz vor dem Ruin. Doch ABB hat ein furioses Comeback geschafft und liegt heute mit einer Ebit-Marge von 13 Prozent auf Augenhöhe mit den Konkurrenten und in manchen Bereichen sogar vor Siemens. Auch mit seinem jüngsten Coup hat ABB-Chef Hogan den Münchenern ein Schnippchen geschlagen. Für gut vier Milliarden Dollar haben die Schweizer den US-Hersteller von industriellen Elektromotoren, Baldor, übernommen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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