Mischkonzerne
Siemens kokettiert mit Kauf von Areva-Sparte

Siemens liebäugelt mit dem Kauf der Stromübertragungssparte des französischen Energietechnikkonzerns Areva. „Wenn Areva das an uns verkaufen möchte, weiß sie, wo sie anrufen muss“, sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaser. „Dann würden wir das prüfen.“ Der Preis für die profitable Netzsparte Arevas könnte laut Analysten bei bis zu fünf Mrd. Euro liegen.

PARIS/MÜNCHEN. In Industriekreisen wird davon ausgegangen, dass Siemens noch keinen Vorstoß für eine Übernahme unternommen hat. Kaeser habe sich eher grundsätzlich geäußert.

Dennoch kann Areva auf einen regen Bieterwettbewerb hoffen. Siemens-Rivale Alstom hat bereits öffentlich sein Interesse bekundet, die Sparte zurückzukaufen. Denn 2004 musste Alstom-Chef Patrick Kron die Sparte für rund 900 Mio. Euro an Areva verkaufen, um an frisches Geld zu kommen. Auch Axa Private Equity hat bereits Interesse signalisiert und will dazu ein Bieterkonsortium zusammen stellen. Als weitere Interessenten gelten der US-Riese General Electric sowie Schneider Electric. Areva wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Die Sparte Areva T&D (Transport und Distribution) erzielte 2008 einen Umsatz von fünf Mrd. Euro und einen operativen Gewinn von 560 Mio. Euro. Damit spielt die Sparte die Hälfte des operativen Konzerngewinns ein. Areva-Chefin Anne Lauvergeon drängt es daher eigentlich nicht zu einem Verkauf, doch der staatliche Großaktionär lässt ihr keine Wahl: „Areva soll sich auf sein nukleares Kerngeschäft konzentrieren“, forderte vor kurzem Frankreichs Regierungschef Francois Fillon. Der offizielle Startschuss für den Verkaufsprozess wird nun auf der nächsten Aufsichtsratssitzung im Juni erwartet. Der Staat drängt auf den Verkauf, da Areva dringend Geld für die Investitionen in das Nukleargeschäft braucht. Der Gesamtbedarf wird mit zwölf Mrd. Euro bis zum Jahr 2012 beziffert.

Siemens und Areva betreiben noch gemeinsam das Atom-Joint-Venture Areva NP. Siemens hat den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen verkündet und will künftig gemeinsam mit der russischen Rosatom Geschäfte mit Atomkraftwerken machen. Areva muss für die Siemens-Anteile am bisherigen Joint Venture einen Preis von geschätzten zwei Mrd. Euro bezahlen. Nun ist ein Tauschgeschäft mit Zuzahlung von Siemens vorstellbar.

Offiziell stehen beide Transaktionen in keinem Zusammenhang. Zudem fällt die Entscheidung, wer für T&D den Zuschlag bekommt, im Aufsichtsrat – und hier hat der Staat das Sagen. Es ist daher gut vorstellbar, dass die französische Regierung sowohl einen guten Preis erzielen will, als auch mit dem Verkauf seine heimische Industrie stärken möchte. Die Franzosen betreiben derzeit eine aktive Industriepolitik.

Daher dürfte Alstom Favorit für die Übernahme sein, zumal das Geschäft dem Bieter bereits früher gehört hat. Hinzu kommt, dass Alstom-Chef Kron beste Kontakte zu Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hat. Der Präsident ist Kron immer noch dankbar dafür, dass dieser Alstom - mit Sarkozys Staatshilfen - gerettet und zu neuer Größe geführt hat. Alstom ist für Sarkozy der oft zitierte Beleg dafür, dass Staatseingriffe in Unternehmen Sinn machen.

Daher dürften die Chancen von Siemens ohnehin eher gering sein, falls die Münchener ernsthaftes Interesse entwickeln sollten. Die Transaktion sei zwar vorstellbar, aber unwahrscheinlich, sagte WestLB-Analyst Thomas Langer. Hinzu kommt: Großakquisitionen stehen bei Siemens derzeit eigentlich ohnehin nicht auf dem Plan. Der Konzern hatte angekündigt, sich eher in attraktiven Nischen verstärken zu wollen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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