Missglückter Medikamententest: „Elefanten-Mann“
Unbekannter kauft Pharmafirma Tegenero

Vor neun Monaten war die Würzburger Pharmafirma Tegenero durch einen missglückten Medikamententest in Großbritannien in die Schlagzeilen geraten. Sechs Menschen erkrankten teils schwer. Daraufhin meldete das Unternehmen Insolvenz an – und hat nun einen neuen Besitzer. Der versucht, alle Hinweise auf die Katastrophe zu tilgen.

HB WÜRZBURG/LONDON. Über Kaufsumme und Erwerber sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Insolvenzverwalter Frank Hanselmann und bestätigte damit einen Bericht des „Main-Echo“ (Mittwochausgabe). Der Käufer komme nicht aus Deutschland. Zur Zukunft der weniger als 10 Angestellten sagte Hanselmann: „Der Erwerber entlässt keine Mitarbeiter.“

Im März waren bei der erstmaligen Erprobung des von Tegenero entwickelten Wirkstoffes TGN1412 sechs Männer in London schwer erkrankt, zwei schwebten lange in Lebensgefahr. Einer der Versuchsteilnehmer erkrankte im Sommer an Krebs. Das Medikament sollte gegen rheumatische Arthritis, Leukämie und Multiple Sklerose helfen. Bei den Probanden löste das Präparat allerdings Organversagen und starke Kopfschwellungen aus. Bei einem Versuchsteilnehmer waren die Schwellungen so stark, dass die britische Presse ihn „Elefanten-Mann“ taufte.

Die staatliche britische Agentur für Medikamentenprüfung attestierte den am Test beteiligten Firmen fehlerfreie Arbeit. Dennoch hatte die Pharmafirma im Juli wegen drohender Haftungsansprüche Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hatte zudem angegeben, wegen der Ereignisse kein Geld mehr bei Kapitalgebern einwerben zu können.

Die Gläubigerversammlung stimmte Hanselmann zufolge bereits am Montag dem Kaufangebot zu. Die Suche nach einem Käufer habe sich sehr schwierig gestaltet, auch wegen der monatelangen negativen Pressemeldungen. Der Erwerber will unter anderem aus diesem Grund nicht genannt werden.

Das Unternehmen war weltweit rund 250 Pharmafirmen und Investoren angeboten worden. Viele hatten sich aber nur für Teile von Tegenero interessiert. Ziel sei jedoch gewesen, die Firma im Ganzen zu verkaufen.

Tegenero erhalte nun einen neuen Namen. Angaben dazu lehnte der Insolvenzverwalter ebenso ab wie zur Frage, ob der Firmensitz im Würzburger „Science Park“ erhalten bleibt.

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