Misstrauen gegenüber Commerzbank
Contis Banken wollen sich schützen

In der Auseinandersetzung um die Integration des operativen Geschäftes von Schaeffler in die Continental AG formieren sich die Interessengruppen. Donnerstagabend traten erstmals seit Beginn der Debatte um das Szenario eines „Reverse Take-over“ gut zehn Banken zusammen, die Continental jeweils mehr als 500 Mio. Euro leihen, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

FRANKFURT. Die Kreditgeber, mehrheitlich ausländische Institute, stellen gut die Hälfte von Contis Schuldenberg in Höhe von elf Mrd. Euro. Ziel der Unterredungen ist es, im Vorfeld der Conti-Aufsichtratssitzung am 8.Juni eine gemeinsame Position zu finden.

„Wir wollen sicherstellen, dass wir bei einer etwaigen Fusion von Conti mit Schaeffler nicht schlechter gestellt werden als vorher“, hieß es im Kreis der Beteiligten. Eine komplette Blockade gebe es aber nicht. Die internationalen Großbanken scheren aus dem von der Commerzbank geführten Schuldnerkonsortium aus, weil sie nicht „in eine politische Zwangslage geraten wollen, in der wir einem schlechten Deal zustimmen müssen“, hieß es.

Die deutsche Commerzbank ist als „Twinbank“ der größte Gläubiger von Conti und Großaktionär Schaeffler. Die Franken haben sich mit der Übernahme des niedersächsischen Autozulieferers verhoben. Schaeffler drücken durch den Deal zwölf Mrd. Euro Schulden: Mitten in der Autokrise belastet den Wälzlagerspezialisten eine monatliche Zinslast von gut 70 Mio. Euro. Erleichterung könnte eine Bürgschaft der beiden am stärksten betroffenen Länder Bayern und Niedersachsen sowie des Bundes bringen: Mit ihr könnte eine Anleihe begeben und auf diese Weise der Kauf des Schaeffler-Geschäftes durch Conti finanziert werden. Mit dieser Lösung könnten sich auch die Banken, die nur auf der Conti-Seite stehen, anfreunden, hieß es.

Contis Kreditgeber stehen unter Druck: Im Sommer 2010 werden 3,5 Mrd. Euro der Kredite fällig – eine schwere Last für die Hannoveraner, die zuletzt rote Zahlen schrieben. Eine Fusion unter dem Dach von Conti soll Synergien heben helfen.

Unternehmenskreisen zufolge will Conti-Chef Karl-Thomas Neumann den Kontrolleuren zumindest Grundzüge eines Integrationskonzeptes am 8. Juni vorstellen. Bis Ende August soll der Plan stehen. Die Berater von Roland Berger prüfen auf Anregung der Commerzbank das Modell „Reverse Take-over“.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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