Mit dem vollständigen Verkauf der Elektroniksparte vollzieht der Konzern einen Strategiewechsel
Rheinmetall wird schlanker

Der Technologie- und Rüstungskonzern Rheinmetall AG ändert seine Strategie. Das Düsseldorfer Unternehmen will sich vollständig von seiner Elektroniksparte (Aditron) trennen und sich auf die Geschäftsbereiche Rüstung und Automobilzulieferung konzentrieren. Im Zuge dessen verkauft der Konzern die Preh-Werke GmbH an die Deutsche Beteiligungs AG.

DÜSSELDORF. Die in Bad Neustadt ansässige Rheinmetall-Tochter produziert mit 1 700 Mitarbeitern hauptsächlich Automobil- und Industrieelektronik und erzielte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 219 Mill. Euro ein Gewinn vor Steuern von 9 Mill. Euro. Zum Kaufpreis wollten die Unternehmen keine Angaben machen. Analysten schätzen die Summe auf bis zu 80 Mill. Euro.

Die ebenfalls zur Rheinmetall- Elektroniksparte gehörende Hirschmann Electronics soll nach Rheinmetall-Angaben ebenfalls veräußert werden. Hirschmann solle bis zum Jahresende in eine neue Partnerschaft eingebracht werden. Die verbleibenden Geschäftsbereiche Rüstung und Autozulieferung hatten im vergangenen Jahr ein Geschäftsvolumen von 3,5 Mrd. Euro.

Der Ausstieg aus der Elektronik-Sparte war ein Abschied auf Raten: 2002 hatte Rheinmetall Heimann Systems, den hoch profitablen Hersteller von Sicherheitstechnik und den Kern des Elektronik-Geschäfts nach Großbritannien verkauft. Offen war bisher immer, wie der Konzern diese Lücke strategisch schließen würde. „Der vollständige Ausstieg ist konsequent und mutig“, sagt Richard Schramm, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Zweigleisig zu fahren, mache Sinn: „Vor allem weil es im Rüstungsgeschäft die Abhängigkeit von der Politik gibt“, sagt Schramm. Rheinmetall habe seine Schulden abbauen können und nun wieder Raum für Akquisitionen.

Wo und wann das Unternehmen auf Einkaufstour geht, ist noch offen. Branchenkenner sehen einige Lücken im verbleibenden Portfolio. Da sich das Rheinmetall nun vor allem auf die Zulieferung für Motoren konzentriert, sei es denkbar auch Teile wie Dichtungen oder Ventile in eigener Regie produziert würden. Konzernchef Klaus Eberhardt möchte das Unternehmen, das mehrheitlich zur Röchling-Gruppe gehört, vor allem internationaler machen. Heute erzielt der Konzern rund 20 % seines Umsatzes außerhalb Europas, mittelfristig soll sich dieser Anteil aber verdoppeln.

Dabei gehe vor allem darum, neue Märkte für die klassischen Rheinmetall-Produkte wie Kolben oder Motorblöcke zu finden, sagte ein Konzernsprecher. Akquisitionen seien aber nicht ausgeschlossen. Erste Schritte dazu hat das Management bereits unternommen. Anfang des Jahres hat Rheinmetall in Japan das Kolbenwerk von Mazda gekauft.

Auch das internationale Verteidigungsgeschäft soll wachsen. Neben einem Großauftrag aus Griechenland für den Leopard II Kampfpanzer, den Rheinmetall mit Krauss Maffei Wegmann (KMW) produziert, liefert der Konzern heute hauptsächlich an die europäischen Nato-Staaten und die Schweiz: Zum Beispiel Bergepanzer für die Eidgenossen oder Flugabwehrsysteme nach Finnland.

In der Branche wird immer wieder über eine Fusion mit KMW spekuliert. Siemens hält an dem Münchner Familienunternehmen 49 % und will sich davon trennen. Neben einer deutschen Konsolidierung gäbe es noch die europäische Variante: Frankreich will den Rüstungskonzern Giat privatisieren, der gut zu den deutschen Wettbewerbern passen würde. Pläne habe man bei Rheinmetall dazu aber nicht, sagte der Konzernsprecher.

In diesem Jahr will Rheinmetall-Chef Eberhardt nun alles daran setzen, seine Ziele zu erreichen und Gewinn und Umsatz zu steigern. Mit dem Kerngeschäft strebt Eberhardt ein jährliches Umsatzwachstum von 5 %. Das Ziel für die Gesamtkapitalrendite liegt bei 15 %. Im vergangenen Jahr erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben 11 %.

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