Mit deutscher Technik und indischen Kosten zum Weltmarktführer für Schmiedeteile
Teil 4: Bharat Forge fordert Thyssen-Krupp heraus

Als Exporteur hochwertiger Industriegüter ist Indien nicht bekannt – Manager wie Baba Kalyani sind dabei, dies zu ändern. Der Chef von Bharat Forge Ltd. (BFL) hat sein Familienunternehmen in kurzer Zeit zum weltweit zweitgrößten Hersteller von Schmiedeteilen gemacht.

PUNE. „In drei Jahren haben wir Marktführer Thyssen-Krupp überrundet“, kündigt Kalyani an, „und zwar nicht nur beim Geschäftsvolumen, sondern auch technologisch.“

Investitionen und Zukäufe sollen den Umsatz von Indiens größtem Exporteur von Autoteilen bis 2008 auf über eine Mrd. Dollar verdoppeln. Vor allem aber will Kalyani nicht länger nur über den Preis konkurrieren, sondern mit fortschrittlichen Produkten wie Nockenwellen, die eine 20 Prozent längere Lebensdauer als Konkurrenzprodukte haben.

Wie das gelingen soll, veranschaulicht sein Sohn Amit bei einem Rundgang durch das BFL-Werk in Pune. In einer alten Halle zittert der Boden, es faucht und kracht, während orange glühende Stahlrohlinge von einer turmhohen Weingarten-Presse zu Achsteilen gestaucht werden. Hier entstehen Schmiedeteile, die zu den billigsten auf dem Weltmarkt zählen. 42 Prozent der Produktion gehen nach Übersee – an Kunden wie Daimler-Chrysler –, in drei Jahren sollen es 60 Prozent sein.

Von hier führt Amit in einen Neubau, wo einem überall Deutsch entgegenklingt, und verkündet: „Das wird die modernste Schmiedefabrik der Welt.“ Techniker von Firmen wie Emag, Juncker und Alfing montieren Maschinen, mit denen BFL die Produktionskapazität für Nockenwellen um die Hälfte auf 650 000 Stück erhöht. „Alles voll automatisiert, nur noch Roboter“, sagt Amit Kalyani. Die Produktivität wird in dieser Halle so hoch liegen wie in Deutschland. Hier werden Ingenieure alles vom Bildschirm aus steuern. Sie arbeiten für zehn Prozent der Löhne in Europa.

Nur bei solch hochqualifizierten Mitarbeitern habe Indien noch echte Kostenvorteile. „Bei einfacher, billiger Arbeit kann Indien gegen China nicht mehr mithalten“, sagt Baba Kalyani. Er drückte den Anteil ungelernter Arbeiter in den vergangenen acht Jahren von 80 auf 30 Prozent. Das macht BFL zum Vorreiter einer Revolution in Indiens besseren Industriebetrieben: Sie verschlanken die Produktion, investieren in moderne Technik, zielen auf Exportmärkte im Westen.

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