Mit erfolgreichen Neuentwicklungen können sich US-Biotechfirmen hohe Wachstumsraten sichern: Genentech liefert eine starke Vorgabe

Mit erfolgreichen Neuentwicklungen können sich US-Biotechfirmen hohe Wachstumsraten sichern
Genentech liefert eine starke Vorgabe

Die Top-Unternehmen der amerikanischen Biotechbranche befinden sich weiterhin auf dem Vormarsch. Das untermauern eine Reihe positiver Prognosen auf der Healthcare-Konferenz der Investmentbank JP Morgan.

shf FRANKFURT/M. Auch die starken Zahlen unterstützen dies, die der US-Konzern Genentech – die Nummer zwei der Branche – am Mittwochabend vorgelegt hatte. Das kalifornische Biotechunternehmen, an dem der Baseler Roche-Konzern eine Mehrheit hält, steigerte seinen Arzneimittelumsatz 2003 um gut ein Fünftel auf 2,6 Mrd. $ und den Gesamtumsatz um 28 % auf 3,3 Mrd. $. Der Nettogewinn legte auf vergleichbarer Basis um 31 % auf 635 Mill. $ zu. Der Gewinn je Aktie hat sowohl im Gesamtjahr als auch im vierten Quartal die Analysten-Schätzungen um zwei Cents übertroffen. Für 2004 stellt Finanzchef Louis Lavigne ein Gewinnplus von „mindestens 20 Prozent“ in Aussicht, die Aktie honorierte dies gestern mit einem leichten Plus von einem Prozent. Seit Anfang Mai hat sie bereits um 150 % zugelegt.

Ähnlich starke Ertragszahlen wie bei Genentech werden in den nächsten Tagen für eine Reihe weiterer „Bigcaps“ unter den US-Biotechfirmen erwartet, darunter Amgen und Gilead. Bereits Anfang der Woche meldete Genzyme einen Umsatz, der mit knapp 1,6 Mrd. $ (nach 1,1 Mrd. $) leicht über den Markterwartungen lag. Im Schnitt expandieren die Spitzenunternehmen der US-Biotech-Branche derzeit etwa doppelt bis dreimal so stark wie etablierte Pharmafirmen. Sie profitieren einerseits von den steigenden Umsätzen aus den Neuentwicklungen der vergangenen vier bis fünf Jahre, werden andererseits noch kaum von Patentabläufen bedroht.

Goldman Sachs erwartet daher für die Gruppe in den kommenden Jahren Umsatzsteigerungen von durchschnittlich 10 bis 15 % und Gewinnsteigerungen von 15 bis 20 %. Allerdings werde sich bei den meisten Firmen das Wachstum gegenüber dem sehr starken Jahr 2003 etwas abflachen. Dazu beitragen dürften die hohe Vergleichsbasis des Jahres 2003 sowie neue Erstattungsregeln im Rahmen des amerikanischen Medicare-Programms. Auch bei den Neuzulassungen zeichnet sich eine Beruhigung ab, da die US-Gesundheitsbehörde FDA den Zulassungsstau inzwischen weitgehend abgearbeitet hat. Goldman Sachs sieht Chancen für die Genehmigung von 14 weiteren Biotech-Produkten, darunter als wichtigste Vertreter die Krebsmedikamente Erbitux von Imclone und Merck KGaA sowie Avastin von Genentech.

Überraschend positive Testresultate für diese beiden neuartigen Krebsmedikamente leiteten im vergangenen Sommer eine relativ stürmische Renaissance der Biotechwerte an der Börse ein. Beide Medikamente befinden sich inzwischen im Zulassungsverfahren bei der FDA. Eine Genehmigung für Avastin wird bis spätestens Ende März erwartet. Das Produkt, dem Analysten Spitzenumsätze von deutlich mehr als 1 Mrd. $ zutrauen, dürfte anschließend dem ohnehin kräftigen Wachstum von Genentech zusätzlichen Schub verleihen. Zwei wichtige Zulassungserfolge verbuchte der Konzern bereits im vergangenen Jahr mit der Genehmigung für Raptiva (gegen Schuppenflechte) und Xolair (gegen Asthma). Weitere mehr als 20 Produkte befinden sich in klinischer Entwicklung.

Das operative Geschäft wird unterdessen vor allem von den Krebsmedikamenten Rituxan und Herceptin geprägt. Rituxan avancierte mit Erlösen von knapp 1,5 Mrd. $ inzwischen zum umsatzstärksten Krebsmedikament der Welt. Noch deutlich höhere Erlöse könnte das Produkt erzielen, sollte es gelingen, in den nächsten Jahren auch eine Zulassung für die Rheuma-Behandlung zu erhalten.

Genentech gewinnt damit immer größere Bedeutung für den Roche-Konzern, der die US-Firma voll konsolidiert. Der Börsenwert der Schweizer von derzeit rund 90 Mrd. $ entfällt bereits zu knapp einem Drittel auf das Engagement bei Genentech.

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