"Mit vollen Auftragsbüchern in die Insolvenz"
Kunden laufen gegen hohe Stahlpreise Sturm

Die weiterverarbeitende Industrie stöhnt unter dem Anstieg der Preise. Insbesondere Bau, Maschinenbau und Autozulieferer sind stark betroffen.

agr/gil/wb DÜSSELDORF. Die deutlichen Preiserhöhungen der Stahlhersteller machen der weiterverarbeitenden Industrie schwer zu schaffen. „Wir gehen mit vollen Auftragsbüchern in die Insolvenz“, sagte Andreas Möhlenkamp, Hauptgeschäftführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung, dem Handelsblatt. Die Unternehmen der Branche hätten einerseits Langzeitverträge mit ihren Abnehmern und müssten auf der anderen Seite immer mehr Geld für ihr Material bezahlen. Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, spricht von einem „Stahlpreisschock“ mit Auswirkungen wie beim Ölpreisschock der 70er-Jahre. Die Unternehmen versuchen deshalb jetzt, die Preissteigerungen wenigstens zum Teil an ihre Kunden weiterzugeben. So sprechen die Bauverbände mit Bund und Ländern über Preisnachbesserungen bei Aufträgen der öffentlichen Hand. Auch mit der Autoindustrie laufen Gespräche. Ziel ist es, das Risiko steigender Stahlpreise künftig durch Gleitklauseln in den Verträgen aufzufangen.

Der steile Anstieg der Stahlpreise geht auf die große Nachfrage Chinas zurück, das einen Wirtschaftsboom erlebt. Ein Ende ist nicht in Sicht: Die Stahlkonzerne haben bereits weitere Preiserhöhungen angekündigt. Wenn sie diese durchsetzen, wird Stahl bald doppelt so teuer sein wie vor zwei Jahren.

Auch der Maschinen- und Anlagenbau sieht sich davon stark betroffen. Die Unternehmen hätten keine langfristigen Bezugsverträge und litten daher voll unter den Erhöhungen, sagt VDMA-Experte Michael Wolf. Am schlimmsten träfe das Hersteller von Kränen, Baumaschinen oder Fördertechnik, weil hier der Stahlanteil besonders hoch sei. Weil die Umsatzrendite von durchschnittlich 3 % im Maschinenbau keinen Spielraum lasse, hätten viele Unternehmen ihrerseits die Preise erhöht.

Andere Branchen ziehen nach. So bereitet der Hausgerätehersteller Bosch-Siemens nach eigenen Angaben Preiserhöhungen vor. Auch der Baukonzern Hochtief will bei Neuaufträgen die Kostensteigerung beim Baustahl berücksichtigen. Bei einem Großteil der laufenden Projekte gebe es dagegen verbindliche Lieferverträge, erklärte ein Sprecher.

Auch die Autozulieferer klagen. Bosch-Chef Franz Fehrenbach sieht für das Ergebnis in diesem Jahr durchaus „Risiken auf der Materialseite“. Beim Stahl sei der Konzern aber über Lieferverträge 2004 noch „weitgehend abgesichert“. Auch Mahle lebt „derzeit noch von bestehenden Verträgen“. Aber: „Das kommt auf uns zu“, sagt Mahle-Chef Heinz Junker. Mit den Stahl-Lieferanten verhandeln zu wollen, sei ziemlich aussichtslos: „Wir geraten da allmählich in den Zustand einer Zuteilungs-Wirtschaft. Wollen wir weniger bezahlen, dann sagen die Stahlproduzenten einfach, dass sie uns nicht mehr beliefern.“ Die Möglichkeit, die Kostenerhöhungen teilweise an die Kunden in der Autoindustrie weiterzugeben, sieht er mit Skepsis. „Das können weder die kleinen noch die großen Zulieferer alleine tragen. Wir bekommen täglich Briefe von Lieferanten, die schon mit dem Rücken an der Wand stehen“, sagt Siegfried Goll, Vorstandschef der ZF Friedrichshafen. Bei dem Getriebe-Spezialisten machen Stahlprodukte 35 % des Einkaufsvolumens aus.

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