Mitarbeiter streiken: Airbus steht still

Mitarbeiter streiken
Airbus steht still

Am Tag nach der Bekanntgabe der Airbus-Sparpläne ging nichts mehr in den von Verkauf bedrohten Werken. Die Mitarbeiter protestierten gegen die tausendfachen Stellenstreichungen. Sie fühlen sich verraten und verkauft. Die Airbus-Führung sieht das freilich anders.

HB NORDENHAM/VAREL/HAMBURG/PARIS. Obwohl Wind und Wetter über Friesland peitschen, versammeln sich auch am Donnerstag wieder hunderte aufgebrachte Mitarbeiter vor den Werken Varel und Nordenham. Die beiden niedersächsischen Standorte sollen ebenso wie Laupheim in Baden-Württemberg aus dem Konzern ausgegliedert werden. In allen drei Werken hat die Belegschaft die Arbeit niedergelegt – aus Protest, aus Wut und aus Enttäuschung. „Das ist wie ein Ventil“, sagt Winfried Korter vom Betriebsrat in Nordenham. „Die Leute haben die Nase gestrichen voll.“

Vor dem Werkstor in Nordenham versammeln sich am Morgen rund 600 Mitarbeiter zu einer Kundgebung. Dem Betriebsrat zufolge steht die Produktion. „Die Chefs sind da, sonst läuft nicht viel“, sagt Korter, der im Betriebsratsbüro die Stellung hält. Der Vorsitzende und seine Stellvertreter sind zu Beratungen des Gesamtbetriebsrats und der IG Metall in Hamburg.

Die Airbus-Mitarbeiter sind enttäuscht und wütend, sagt ihr Vertreter. „Man schließt Werke, man schmeißt Leute raus – und das alles, weil das Management Fehler gemacht hat“, sagt Korter. Aufgrund der Auftragslage müsste die Produktion eigentlich hochgefahren werden. Er sei aber überrascht, wie massiv die Arbeitsniederlegung verläuft. Bereits am Mittwoch, kurz nach Bekanntwerden des Sparplans „Power 8“, hörten die Mitarbeiter mit der Arbeit auf.

Blockierte Tore und geschmierte Brötchen

Auch in Varel stehen am Morgen hunderte Mitarbeiter vor dem Werk und blockieren die Tore. Hier fertigen zurzeit 1 270 Festangestellte und 160 Leiharbeitskräfte Airbus-Bauteile. „Schon um 5.30 Uhr sind die ersten Mitarbeiter eingetroffen“, sagt Betriebsratssprecher Jürgen Blümel. Man habe eigens 400 Brötchen geschmiert. Der Betriebsrat informiert über die Sparpläne, auch die Werksleitung und mehrere Politiker finden sich vor dem Tor ein. „Das gibt wieder neue Kraft in der Auseinandersetzung“, sagt Blümel.

Ziel der Vareler ist, im Airbus-Verbund zu bleiben. Die Belegschaft befürchte, Airbus wolle nach dem Vorbild des amerikanischen Konkurrenten Boeing die Fertigung auslagern und sich auf die Endmontage konzentrieren, sagt Blümel. Vermutlich wolle die Konzernleitung nicht alle Standorte auf die zukunftsträchtige Fertigung mit kohlenfaserverstärktem Kunststoff (CFK) ausrichten. „Wenn Varel in der Neuausrichtung nicht berücksichtigt wird, dann können wir hier in 12 bis 15 Jahren zusperren“, befürchtet der Betriebsratsprecher.

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