Mitbestimmung
IG Metall droht Wiedeking wegen VW

Die IG Metall hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit massiver Gegenwehr gedroht, sollte er nach einer Mehrheitsübernahme von Volkswagen die Mitbestimmung antasten. Nicht ohne eine gewisse Süffisanz verweist die Gewerkschaft darauf, dass sich daran erst vor Kurzem ein hochrangiger Manager die Zähne ausgebissen hat.

HB VOLKSWAGEN. „Wir werden Angriffe auf den Haustarifvertrag bei Volkswagen und die Mitbestimmung nicht hinnehmen. Wer das in Frage stellt, muss mit erheblichem Widerstand der Beschäftigten rechnen“, sagte der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine am Freitag in Hannover. Zuvor hatte bereits VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärt, der Konzern stehe auch wegen der vereinbarten Tarifabschlüsse so gut da.

Einen Abbau der Mitbestimmung bei VW habe schon einmal jemand versucht und sei damit „kläglich gescheitert“, fügte Meine hinzu. Er wies damit indirekt auf den früheren VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hin, der die Kernmarke saniert hatte. Bernhard hatte versucht, unprofitabel arbeitende Komponentenwerke zu schließen und zu verkaufen. Im Rahmen eines Tarifabschlusses hatte die IG Metall dies verhindert, musste im Gegenzug aber eine längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich akzeptieren.

Wiedeking hatte erklärt, bei einer Mehrheitsübernahme von Volkswagen durch Porsche würde sich bei dem Wolfsburger Autobauer einiges ändern müssen. Als Wiedeking nach der besonderen Mitbestimmung und dem Haustarif bei VW gefragt wurde, antwortete er: „Sollten wir eines Tages ein Konzern sein, werden sicherlich einige Themen auf die Tagesordnung kommen. Da darf es keine heiligen Kühe geben, denn die gibt es auch bei Porsche nicht.“

Wiedeking ließ wenig Zweifel daran, dass Porsche seine Position bei VW ausbauen will. „Wir halten noch weitere Optionen auf VW-Aktien, werden aber zunächst die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zum VW-Gesetz abwarten“, sagte er. „Danach werden wir entscheiden, ob wir die Optionen ziehen oder nicht.“

Die aus der Zeit Anfang der 60er-Jahre stammende Sonderregelung legt fest, dass kein Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben kann. Für wichtige Entscheidungen ist zudem eine Mehrheit von 80 Prozent der Stimmen nötig. Das führt dazu, dass an der Landesregierung zusammen mit dem bei VW besonders mächtigen Betriebsrat im Aufsichtsrat niemand vorbeikommt.

Porsche hatte seinen VW-Anteil unlängst über die meldepflichtige Marke von 30 Prozent aufgestockt und damit ein Pflichtangebot an alle anderen Aktionäre ausgelöst. Die Offerte wurde so gestaltet, dass sie kaum auf Resonanz traf. Allerdings können die Stuttgarter nun ohne weitere Meldepflichten bis auf knapp 50 Prozent aufstocken. Durch die Beteiligung sichert sich der Sportwagenbauer die Zusammenarbeit mit Volkswagen bei mehreren Projekten ab, darunter beim viertürigen Porsche Panamera, der 2009 auf den Markt kommen soll.

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