Mitbestimmungsstreit
VW-Betriebsrat signalisiert Kompromissbereitschaft

Im Mitbestimmungsstreit zwischen dem VW-Betriebsrat und Großaktionär Porsche bahnt sich nach Medieninformationen ein Kompromiss an.

HB WOLFSBURG. Im Mitbestimmungsstreit zwischen dem VW- Betriebsrat und Großaktionär Porsche bahnt sich Nach Informationen der Wirtschaftszeitung „Automobilwoche“ könnten die VW-Betriebsräte in einem künftigen Großkonzern einem Aufsichtsrat mit jeweils drei Porsche- und VW-Vertretern auf der Arbeitnehmerseite zustimmen. Als Gegenleistung erwarteten die Wolfsburger jedoch ein Einlenken von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Ringen um eine größere Arbeitnehmervertretung der Holding, die künftig die VW-Anteile kontrollieren soll. Dies verlautete aus dem Umfeld von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.

„Wenn der Betriebsrat der Porsche Holding wie zunächst geplant nur 40 Personen umfassen würde, könnte VW die Interessen seiner zahlreichen Produktionsstätten in Europa nicht annähernd adäquat abbilden“, zitierte die Automobilwoche einen Insider, der namentlich nicht genannt werden wollte. Das Gremium sollte deshalb deutlich mehr Personen umfassen. Bei Abstimmungen müsse die weitaus größere Belegschaft von VW im Vergleich zu Porsche berücksichtigt werden. Die Vereinbarung über die Besetzung der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat der künftigen Porsche Holding – in der alle Beteiligungen gebündelt werden sollen – war ohne Mitwirkung der VW- Betriebsräte entstanden. Danach sind für die fast 325 000 VW- Mitarbeiter im Aufsichtsrat ebenso drei Sitze vorgesehen wie für die rund 11 400 Porsche-Beschäftigten.

Am Mittwoch war es zu einem einstündigen Stopp der Arbeit bei VW gekommen. In zahlreichen Versammlungen informierte der Betriebsrat nach eigenen Angaben die Belegschaften der sechs westdeutschen über die aktuelle Situation.

Osterloh forderte zudem die Eigentümer des Sportwagenherstellers zu einem klaren Bekenntnis zum VW-Konzern aufgefordert. „Die VW-Beschäftigten im In- und Ausland wollen wissen, wie sich die Porsche-Eigner die gemeinsame Zukunft von Volkswagen und Porsche vorstellen“, sagte Osterloh der „Berliner Zeitung“. Ein Unternehmen könne man nicht gegen den Willen der Belegschaft übernehmen. „Das geht nur mit den 324 000 Frauen und Männern bei Volkswagen“, betonte der Betriebsratsvorsitzende.

Die Ausrichtung des Unternehmens bezeichnete Osterloh als Kernfrage: Derzeit sei unklar, was künftig Priorität haben werde, eine möglichst hohe Rendite oder ein fairer Interessenausgleich, sagte er laut „Berliner Zeitung“. Wenn Porsche-Chef Wendelin Wiedeking beim VW-Haustarifvertrag „von heiligen Kühen spricht, der VW-Belegschaft eine angemessene Mitwirkung in der Holding verweigert und Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns kursieren, dann wird Vertrauen noch weiter zerstört“, sagte Osterloh.

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