Mitschuld an Rückrufen gegeben
Porsche-Chef droht Zulieferbranche

Nachdem der Geländewagen Cayenne bereits zwei mal in die Werkstätten gerufen werden musste, macht Porsche-Chef Wendelin Wiedeking Druck auf die Zulieferbranche. Sie sei für Qualitätsmängel der Autohersteller verantwortlich.

HB HAMELN. „Das Problem dieser Automobilindustrie ist sicherlich zurzeit, dass gerade im Bereich der Zulieferer sehr große Probleme bestehen - wirtschaftlicher Art“, sagte Wiedeking am Sonntagabend bei der Präsentation des neuen Porsche 911 in Hameln. Vielfach änderten Zulieferfirmen aus Spargründen ihre Produktionsprozesse, ohne dies vorher mit den Autobauern abzustimmen. „Das führt dann dazu, dass Fehler erst erkannt werden, wenn sie leider schon in die Produkte eingeflossen sind“, sagte Wiedeking. Die Autohersteller hafteten im Verhältnis zu ihren Kunden und erlitten zudem bei Rückrufen einen Imageschaden. „Irgendwann werde ich die Lieferanten - die sind ja vielfach auch börsennotiert - vielleicht einfach nennen“, sagte der Porsche-Chef.

Ein VW-Sprecher sagte dazu, er glaube nicht, dass es der richtige Weg sei, „jemanden mit dem Ring durch die Nase übers Feld zu führen.“ Vielmehr müsse die Zusammenarbeit mit den Lieferanten intensiviert werden. VW und Porsche haben bei der Entwicklung ihrer Geländewagen-Modelle Porsche Cayenne und VW Touareg zusammengearbeitet - für die es zuletzt zwei Rückrufaktionen gegeben hat.

Der Stuttgarter Sportwagenbauer hatte kürzlich zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate den Cayenne in die Werkstätten zurückrufen müssen. An gut 40 000 Fahrzeugen dieses Modells mussten die Gurtschlösser auf der Rücksitzbank überprüft werden, weil sich bei Qualitätstests Mängel herausgestellt hatten. Erst im Februar hatte Porsche mehr als 22 000 Cayenne wegen Problemen an der Feststellbremse in die Werkstätten gerufen. In beiden Fällen war auch der teilweise baugleiche VW Touareg von den Rückrufen betroffen.

Wiedeking machte deutlich, dass Autos deutscher Hersteller auch durch Elektronik immer komplexer und damit anfälliger für Pannen seien. „Wir haben uns vielleicht bei der ein oder anderen Technologie zu weit vorgewagt“, räumte er ein.

Wegen Qualitätsmängeln war Porsche in der jüngsten ADAC-Pannenstatistik um mehrere Plätze abgerutscht, während andere deutsche Hersteller gegenüber der japanischen Konkurrenz Boden gut gemacht hatten. Neue Porsche-Fahrzeuge blieben zwei bis drei Mal so oft liegen wie Autos etwa von Audi, BMW oder VW.

Die von Porsche genannten wirtschaftlichen Schwierigkeiten einiger Zulieferfirmen sind Branchenexperten zufolge zum Teil durch die Autobauer verursacht, die ihren Lieferanten enorme Preiszugeständnisse abverlangen. So hatte die Mercedes Car Group bei ihren Zulieferern nach deren Angaben im vergangenen Jahr Preisnachlässe von drei bis fünf Prozent durchgesetzt.

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