Mittagessen mit Heinrich von Pierer
Paris spricht mit Siemens über Alstom

Frankreich erwägt die Einbindung von Siemens in die Sanierung des maroden Alstom-Konzerns. Nach Informationen aus Kreisen würde dies auch auf Wohlwollen bei EU-Wettbewerbskommissar Monti stoßen

HB PARIS. Eine Zerlegung des angeschlagenen Bahntechnik- und Turbinenkonzerns will Frankreich aber verhindern. Premierminister Jean-Pierre Raffarin habe am Montag beim Mittagessen mit Siemens-Chef Heinrich von Pierer über Alstom gesprochen, teilte die französische Regierung am Mittwoch mit. Zuvor hätten Raffarin und von Pierer mit zahlreichen Industriellen an der ersten Sitzung des Strategischen Rates zur Förderung der Auslandsinvestitionen in Frankreich teilgenommen.

Siemens ist nach Pariser Informationen an Alstoms Turbinentechnik und am Superschnellzug TGV interessiert. Industrieminister Patrick Devedjian deutete an, dass der deutsche Konzern sich selbst ins Spiel gebracht habe. „Siemens schlägt eine Zerlegung (von Alstom) vor“, sagte er dem Rundfunksender Europe 1. Das wolle Paris aber nicht. Alstom glänze „mit seinen großen Erfolgen wie dem TGV“, was bei Siemens Begehrlichkeiten wecke. „Wir wollen dieses bedeutende industrielle Werkzeug, diesen großen technologischen Erfolg Frankreichs erhalten, und auch alle Arbeitsplätze, die sich darum drehen.“ Alstom selbst erklärte, „keinen Kontakt zu Siemens“ zu haben.

Am Montag will Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy in Brüssel dem EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti seine Vorstellung von der Zukunft Alstoms darlegen. Von Pierer äußerte am Mittwoch in München Verständnis dafür, dass einem in die Krise geratenen Unternehmen geholfen werde. „Wir warten in Ruhe ab, welche Entscheidungen in Frankreich getroffen werden“, sagte er. Der Wettbewerb dürfe von Subventionen nicht beeinträchtigt werden. Aber: „Wir brauchen starke europäische Champions.“

Das Finanzblatt „La Tribune“ berichtete am Mittwoch, die 3,2 Mrd. € Finanzhilfe vom Herbst 2003 für Alstom reichten nicht. Die Banken könnten daher Kredite in Kapitaleinlagen umwandeln und neue Kreditlinien einräumen. Am Dienstag hatten die Banken bereits Alstom mit einem Moratorium für 2,4 Mrd. € Schulden bis zum 30. September eine Atempause verschafft.

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