Mittal beschwert sich über Desinformations-Kampagne
Arcelor-Übernahme längst noch nicht gelaufen

Arcelor-Aktionäre haben sich nach Worten von Mittal-Finanzchef Aditya Mittal positiv zu dem feindlichen Übernahme-Angebot im Volumen von 24 Milliarden Dollar geäußert.

HB MADRID. Es gebe allerdings europaweit eine Kampagne der Desinformation über das Gebot des Stahlriesen für die Nummer zwei der Branche, sagte Mittal am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Madrid. Mittal ist derzeit auf Werbetour quer durch Europa, um Unterstützung für das von Arcelor abgelehnte Angebot zu finden.

Konzern-Chef Lakshmi Mittal ergänzte, er begrüße, dass Spanien in der Angelegenheit eine neutrale Haltung einnehme. Bei den Regierungen in Luxemburg und Frankreich waren die Pläne des Branchenprimus auf Ablehnung und Skepsis gestoßen. Sie befürchten den Verlust Tausender Arbeitsplätze.

Frankreich und Luxemburg wollen ihre Reaktionen auf die geplante Arcelor-Übernahme durch Mittal Steel künftig koordinieren. Das sagte der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker nach einem Treffen mit dem französischen Ministerpräsidenten Dominique de Villepin.

Die Analysten der Commerzbank Corporates & Markets (CBCM) empfehlen Anlegern vor diesem Hintergrund aktuell, einen Teil ihrer Arcelor-Aktien zu verkaufen. Die übrigen sollten sie aber für den Fall halten, dass Mittal sich mit ihrem Gebot durchsetze. Der Fall der Arcelor-Aktie auf 28,90 Euro impliziere aber, dass der Markt nicht an eine Übernahme glaube. Arcelor werde mit ihrem Appell an die Aktionäre, ihre Aktien nicht anzudienen, keinen Erfolg haben, vermuten die Analysten.

Das letzte Wort bei Fusionen hat allerdings die Europäische Kommission. Die zuständige Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat bereits durchblicken lassen, dass sie keine grundsätzlichen Einwände gegen Großfusionen hat und dass sie eine Fusion der beiden Stahlkonzerne allein auf Basis des EU-Wettbewerbsrecht ohne mögliche politische oder soziale Implikationen prüfen wird.

Breton mahnt zu Vernunft

Nach den politischen „Kampfansagen“ gegen eine Übernahme des Stahlkonzerns Arcelor durch Mittal Steel hat der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton am Donnerstag alle Beteiligten „zur Vernunft“ gerufen. „Es geht um ein europäisches Unternehmen mit Sitz in Holland, das ein Übernahmeangebot für ein anderes europäisches Unternehmen mit Sitz in Luxemburg vorlegt“, sagte Breton dem Rundfunksender Europe-1. „Es gehört zum normalen Geschäftsleben, dass Unternehmen diskutieren, sich annähern.“

Sollten die Regierungen versuchen, die EU-Fusionsbestimmungen zu umgehen oder in ihrem Sinne Einfluss auf die EU-Wettbewerbskontrolleure zu nehmen, ist Streit vorprogrammiert - sofern Wettbewerbskommissarin Kroes ihren Ankündigungen Taten folgen lässt. Für die Wettbewerbskommissarin würde es damit erstmals in ihrer eineinhalbjährigen Amtszeit zu einer Kraftprobe mit mehreren Hauptstädten kommen.

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