Mittel für Engagement bei Heidelberg Cement
Merckle prüft Verkauf von Ratiopharm

Adolf Merckle prüft einen Verkauf seines Pharmaunternehmens Ratiopharm. Offenbar will sich die Ulmer Familie damit neue Mittel verschaffen, um ihr Engagement beim hochverschuldeten Baustoffkonzern Heidelberg Cement abzusichern. Kreise sprechen bereits von zwei Interessenten.

FRANKFURT. Nach Informationen aus Finanz- und Branchenkreisen soll schon nächste Woche eine Entscheidung über die Vergabe eines Verkaufsmandats fallen. Experten erwarten, dass der Verkauf von Ratiopharm bis zu fünf Mrd. Euro einbringen könnte. Die Familie wollte dazu zunächst keine Stellung nehmen.

Als Interessenten für den Hersteller von patentfreien Nachahmer-Medikamenten werden die israelische Teva-Gruppe und der französische Pharmakonzern Sanofi gehandelt. Darüber hinaus dürften sich mehrere Private-Equity-Gesellschaften für Ratiopharm interessieren. Das Unternehmen erzielte 2007 rund 1,8 Mrd. Euro Umsatz und rangiert damit in der von einer starken Konsolidierung geprägten Generikabranche weltweit auf Position fünf.

Bis vor kurzem galt ein Verkauf dieses Kernunternehmens der Merckle-Gruppe als nahezu ausgeschlossen. Doch sind die Merckles durch die angespannte Finanzsituation und die Kursverluste bei ihrer Mehrheitsbeteiligung Heidelberg Cement, an der die Familie 80 Prozent hält, offenbar zunehmend unter Druck geraten.

Hintergrund ist zum einen die Flaute im Bausektor, die sich bei Heidelberg Cement in einem drastisch zurückgehenden operativen Cash-Flow äußert. Und zum anderen die relativ hohe Verschuldung der Firma, die vor allem aus der kreditfinanzierten Übernahme des britischen Baustoffherstellers Hanson im vergangenen Jahr resultiert. So wies der Baustoffkonzern Ende September Nettofinanzschulden von 12,3 Mrd. Euro aus – ein Volumen, das angesichts der Konjunktur- und Finanzkrise zunehmend kritisch gesehen wird. Die Kosten für eine fünfjährige Ausfallversicherung auf Verbindlichkeiten des Konzerns („credit default swaps“) haben sich nach Daten von Bloomberg in den vergangenen Wochen auf etwa 1 300 Basispunkte verdoppelt. Zwar wird der größte Teil dieser Schulden erst ab 2010 fällig. Doch wächst offenbar die Sorge, dass der Konzern einzelne Kreditvereinbarungen nicht wird einhalten können, was als Folge vorzeitige Fälligkeiten auslösen könnte. Damit wächst für Merckle der Druck, die Finanzstruktur von Heidelberg Cement über Kapitalerhöhungen zu verbessern – und genau dafür braucht Adolf Merckle nun frisches Kapital.

Denn auch die Bilanzen seiner beiden Holdinggesellschaften VEM Vermögensverwaltung und Spohn Cement dürften nach Berechnungen des Handelsblatts Verbindlichkeiten von deutlich mehr als drei Mrd. Euro drücken. Die resultieren vor allem aus dem überwiegend fremdfinanzierten Zukauf der Heidelberg-Cement-Anteile in den vergangenen Jahren.

Vor diesem Hintergrund drängen die Banken den Patriarchen nun offenbar massiv, Tafelsilber zu veräußern. Wobei die Preisfindung bei Ratiopharm schwer werden dürfte. Nimmt man die letzten Transaktionen im Generikasektor als Maßstab, könnte Merckle mit einem Kaufpreis von mehr als dem Dreifachen des Umsatzes rechnen. Das würde auf eine Bewertung von fünf Mrd. Euro für Ratiopharm hinauslaufen. Allerdings haben sich zuletzt sowohl die Finanzmarktbedingungen als auch die Situation im Generikamarkt verschlechtert. Unsicherheit herrscht etwa darüber, wie sich die neuen Rabatt-Ausschreibungen der Krankenkassen in Deutschland auswirken.

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