Mittelständler
Siempelkamp hakt den Umbau ab

Die Zeiten sind nicht einfach für Siempelkamp, doch für das laufende Jahr erwartet der Guss- und Pressenspezialist wieder bessere Geschäfte. Vor allem Anlagen für die Herstellung von Spanplatten für die Möbelindustrie sind weltweit gefragt.

DüsseldorfRussland-Embargo, politische Turbulenzen in wichtigen Absatzmärkten, dazu der Niedergang der Kernenergie – der Guss- und Pressenspezialist Siempelkamp aus dem niederrheinischen Krefeld hat schon bessere Zeiten gesehen. So ging der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 um knapp sechs Prozent auf 570 Millionen zurück, auch die Zahl der neuen Bestellungen war mit 600 Millionen Euro leicht rückläufig. Doch damit habe das Unternehmen die Delle schon hinter sich gelassen, glaubt Hans Fechner, Sprecher der Geschäftsführung. „In diesem Jahr werden wir die Marke von 700 Millionen Euro Umsatz überschreiten“, sagte er am Mittwoch in Düsseldorf. „Zudem haben wir auch 2015 in allen drei Geschäftsbereichen schwarze Zahlen geschrieben.“

Die besseren Perspektiven sind einmal der Abrechnung von sieben großen Anlagen für die Herstellung von Spanplatten zu verdanken, die in diesem Jahr weltweit ihren Betrieb aufnehmen. Zum anderen trägt auch der schon im vergangenen Jahr eingeleitete Umbau des Familienkonzerns erste Früchte. So wird Siempelkamp bis Ende 2017 rund 350 der gut 2.000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen, dafür aber die Fertigung in den Werken in Tschechien und China deutlich ausweiten. Fechner hatte den Schritt immer wieder mit dem Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit begründet: „Wir müssen dahin gehen, wo die Märkte sind.“

Wichtigstes Standbein des Mittelständlers bleibt der Maschinen- und Anlagenbau. Siempelkamp ist Weltmarktführer mit einem Anteil von gut 60 Prozent für Anlagen zur Herstellung von Spanplatten. „Es gibt ja kaum ein Möbel, das noch aus reinem Holz besteht“, sagte Fechner. Mit der neuen Generation solcher Komplettanlagen sei es möglich, während der laufenden Produktion Spanplatten unterschiedlicher Dicken und Festigkeit herzustellen.

Das sei wichtig, da diese Platten immer leichter würden, um beispielsweise Kunden von Ikea oder anderen Herstellern von Mitnehm-Möbeln den Transport zu erleichtern. Gut zwei Drittel seines Umsatzes macht der Familienbetrieb mit solchen Pressen, deren Technologie sich auch in der Herstellung von Kabinenböden in Zivilflugzeugen wiederfindet oder bei der Produktion hochspezialisierter Komponenten für die Auto- und Luftfahrtindustrie.

Zurückgefahren wird dagegen die Gussparte, die mit der Konkurrenz aus der Türkei und China zu kämpfen hat. Fechner konzentriert die Sparte auf spezielle Gussteile, für die noch gute Preise bezahlt würden. Der Umsatz wird sich bestenfalls auf 100 Millionen Euro einpendeln und mehr oder weniger stagnieren. Auch die neu ausgerichtete Nukleartechnik als dritte Sparte des Familienkonzerns wird sich künftig in solchen Umsatzregionen bewegen.

Siempelkamp war lange Jahre Zulieferer für großen Hersteller von Atomkraftwerken und war einer der größten Lieferanten der sogenannten Castoren für den Transport und die Lagerung von Atommüll. Die Produktion solcher Spezialbehälter sei nach wie vor gut ausgelastet, sagte Fechner. Künftig wolle sich das Unternehmen darauf und auf den Rückbau von Atomkraftwerken konzentrieren. „Das Geschäft ist auch profitabel zu betreiben“, sagte er. Schwerpunkt des Rückbaus würden die USA, sagte er.

Dort hatte Siempelkamp erfolgreich zwei Reaktor-Druckbehälter im Kernkraftwerk Zion im US-Bundesstaat Illinois demontiert. Das Unternehmen habe sich schon an weiteren Ausschreibungen beteiligt, sagte Fechner. In Deutschland sei das Geschäft schwieriger, vor allem wegen der komplexen Genehmigungsverfahren. Letztlich sei aber auch das nur eine Frage der Zeit: „Auch wenn es sich verzögert – abgebaut müssen die stillgelegten Kraftwerke ja trotzdem.“

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