Mittelstand
Mitarbeiter verliehen – Rauswurf verhindert

Die Krise macht erfinderisch. Im Siegerland wollen Unternehmen Entlassungen verhindern, indem sie ihre Mitarbeiter verleihen. Ein Modell, das in Braunschweig mit Erfolg praktiziert wird.

BRAUNSCHWEIG. 284 PS sind ein klares Bekenntnis. Er und Sozialismus? "Nur wenn man es negativ sehen will", sagt Wolfgang Niemsch. Jedes Mal, wenn Niemsch seinem Audi S5 Quattro mit den hellen Ledersitzen in den nächste Kurve lenkt, wackelt die goldene Uhr an seinem Handgelenk.

Er ist auf dem Weg von Braunschweig nach Salzgitter, er will zwei seiner Mitarbeiter besuchen. Fast unwirklich gelb leuchten die Rapsfelder, die am Autofenster vorbeizischen, unter dem grau-blauen Himmel. Es ist einer jener Tage im April, an dem die Natur wie zum Trost demonstriert, das alles doch immer irgendwie weitergeht.

Stunden zuvor, auf der Zugfahrt zu Niemsch, hatte jemand andere Vorstellungen vom Lauf der Dinge. "Nieder mit dem Turbo-Kapitalismus" steht in einem großen, schwungvoll gerundeten Graffito auf dem Pfeiler einer Zugbrücke.

Wolfgang Niemsch würde diesen Satz sicher nicht unterschreiben. Der 56-Jährige ist mitnichten ein Revoluzzer. Und dennoch könnte er mit diesem Satz in Zusammenhang gebracht werden. Nicht nur, weil sein Unternehmen Lanico für Millionen von Spraydosen auf dieser Welt verantwortlich ist. Der Mann mit der rapsgelben Krawatte hat auch das kapitalistische System ein wenig menschlicher gemacht. Und deshalb geht trotz Wirtschaftskrise zumindest in der Region Braunschweig vorerst alles irgendwie weiter.

Wolfgang Niemsch verleiht seine Mitarbeiter. Er und 21 weitere Maschinenbau-Unternehmer haben sich vor Jahren in der Kooperationsinitiative KIM zusammengetan, um gegen Flauten gerüstet zu sein. Kriselt es in einer Firma, so wie derzeit bei Niemsch, überlässt er seine Facharbeiter solchen, die noch reichlich Aufträge haben, aber zu wenig Leute. Da es solche Firmen noch gibt, zahlt sich das Tauschgeschäft nun aus. Noch sind bei ihnen, anders als im Rest der Republik, betriebsbedingte Kündigungen ausgeblieben.

"Ich nenne das Genossenschaft", sagt Niemsch. Für ihn hat das mit sozialistischem Gedankengut rein gar nichts zu tun.

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