Mittlerer Osten
Der Chemie-Boom am Golf

Ethanol, Propylen, Methanol - der mittlere Osten verdient gut mit Chemieprodukten aus überschüssigem Erdgas. Und in den kommenden Jahren soll sich die Produktion noch vervielfachen. Entsprechend groß ist das Selbstbewusstsein der Branche und versucht sich an Mega-Projekten.
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FRANKFURT. Sabic ist der Vorreiter, aber längst nicht mehr alleine. Die Idee, aus überschüssigem Erdgas Chemieprodukte zu produzieren, breitete sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten rund um den persischen Golf aus. Vor allem ab 2001, als die Erdgaspreise in den USA nach oben schnellten, setzte ein rigoroser Kapazitätsausbau ein, der auch die kommenden Jahre noch anhalten dürfte. Fachleute schätzen, dass alleine in Saudi-Arabien zwischen 2009 und 2011 etwa 70 Mrd. Dollar in neue Chemiewerke fließen. Zudem formierten sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten nicht nur in Saudi-Arabien weitere Chemiefirmen, sondern auch in den benachbarten Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Quatar, Kuwait und Iran.

Diese Entwicklung und der massive Rohstoffkosten-Vorteil von bis zu 90 Prozent führte dazu, dass in Nordamerika und Europa seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts so gut wie keine neuen Petrochemie-Kapazitäten mehr entstanden sind. Die Expansion der Branche verlagerte sich komplett in den mittleren und fernen Osten. Einige der neuen Player haben inzwischen begonnen, westliche Chemiefirmen zu übernehmen.

Zu den Unternehmen mit globalen Ambitionen gehört neben Sabic zum Beispiel die staatliche Firmengruppe IPIC in Abu Dhabi. Sie hält unter anderem einen Anteil am österreichischen Chemiehersteller Borealis und übernahm 2008 den kanadischen Petrochemiekonzern Nova Chemicals. IPIC-Chef Khadem al-Qubaisi signalisierte Anfang des Jahres zudem Interesse an weiteren Zukäufen in Europa, darunter auch Bayer Material Science.

Experten von HSBC schätzen, dass der mittlere Osten bei Chemie-Basisprodukten wie Ethanol, Propylen und Methanol mittlerweile zwischen zehn und 25 Prozent der weltweiten Produktion stellt und in den kommenden fünf Jahren etwa 40 Prozent aller zusätzlichen Kapazitäten errichten wird. "In der heutigen Welt lohnt es sich nur noch dort zu investieren, wo entweder eine günstige Rohstoffversorgung besteht oder ein besonders starkes Marktwachstum zu erwarten ist", argumentiert HSBC-Analyst Sriharsha Pappu." Das heißt, im mittleren Osten oder in China."

Parade-Beispiel für den Ehrgeiz und das wachsende Selbstvertrauen der arabischen Chemiebranche ist das Mega-Projekt Saudi-Kayan, das unter Führung von Sabic im Industriegebiet von Jubail am persischen Golf aus dem Boden gestampft wurde. Es gilt als das bislang größte integrierte Chemiewerk, das jemals in einem Zuge errichtet wurde und ist gemessen am Investitionsvolumen von 12,5 Mrd. Dollar etwa viermal so groß wie der Standort, den BASF Nanjing/China errichtete. Neben dem weltgrößten Steamcracker, eine Anlage, die Rohbenzin oder Erdgas in chemische Grundbausteine zerlegt, umfasst es 14 weitere Fabriken zur Verarbeitung der Cracker-Produkte, darunter die ersten Anlagen für Phenole, Amine und Polycarbonate in Saudi-Arabien. Alles in allem sechs Mio Tonnen an Chemieprodukten pro Jahr soll sie ab 2011 produzieren.

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  • Das ist doch typisch Mensch, dass ein Rohstoff wie Erdöl nicht nur verwendet wird, um möglichst umweltschädigend zu heizen, sich feinstaubträchtig fortzubewegen oder die Ozeane mit Plastikmüll zu verstofpen, nein, der Mensch macht auch noch andere giftige Stoffe draus, wie Dünger oder Pestizide. Wenn schon Umwelt vergiften, dann aber richtig

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