Mittlerer Osten
Finanzkrise bremst Raffinerie-Bau

Infolge der Finanzkrise werden immer mehr Raffinerie-Projekte im Mittleren Osten auf Eis gelegt. Am Wochenende stoppte Kuwait den Bau der vierten Öl-Raffinerie des Landes, die alleine ein Finanz-Volumen von 14 Milliarden Dollar aufwies. Die Ursachen für den Investitionsstau.

DUBAI. „Wir kippen den Auftrag für das Vorhaben, das zu einem späteren Zeitpunkt neu verhandelt wird“, erklärte ein Sprecher der Kuwait National Petroleum Co.

Nach Angaben der Hyundai Engineering and Construction Co., die mit weiteren südkoreanischen und japanischen Firmen den Zuschlag erhalten hatte, begründete die kuwaitische Regierung den Rückzieher mit den weltwirtschaftlichen Turbulenzen. Hinter der Absage stecken jedoch auch politische Gründe: Das kuwaitische Parlament hatte das Raffinerie-Projekt wegen der hohen Kosten torpediert. Auch in Saudi-Arabien nimmt der Druck zu. So werden die Raffinerie-Vorhaben in Jubail und Yanbu, die der saudische Konzern Aramco mit Total bzw. Co-noco-Phillips hochziehen wollte, auf die lange Bank geschoben.

Der Investitions-Stau hat mehrere Ursachen. So verfügen die Förderstaaten über weniger Geld, seitdem der Ölpreis von der Höchstmarke über 147 Dollar auf rund 50 Dollar pro Barrel abgesackt ist. Zudem haben viele Öl-Gesellschaften ihre Raffinerie-Verträge zu Zeiten des Rohstoff-Booms abgeschlossen. „Die Betriebe wollen nun die sinkenden Rohstoff-Preise nutzen und bessere Konditionen durchdrücken“, sagte der ehemalige Opec-Generalsekretär Adnan Shihab-Eldin dem Handelsblatt. Auch die Klemme an den Kreditmärkten macht sich bemerkbar. Da bis zu 70 Prozent der Raffinerien am Persischen Golf fremdfinanziert wurden, fehlt es nun an Liquidität. Ein weiterer Bremsfaktor liegt im Preisverfall bei petrochemischen Produkten. „Viele Raffinerien sind an Petrochemie-Projekte gekoppelt: Das drückt auf die Rentabilität“, betont Eckart Woertz vom Gulf Research Center, einer Denkfabrik in Dubai. Nach Einschätzung der Arab Petroleum Investment Corporation werden arabische Öl-Staaten zwischen 2009 und 2013 etwa 450 Milliarden Dollar in den Energie-Sektor pumpen. Das wären rund 20 Prozent weniger als geplant.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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