Mobilfunkbranche
Vodafone steigert Gewinn und spart weiter

Der größte Mobilfunkanbieter der Welt Vodafone hat im ersten Halbjahr mehr verdient. Dennoch will das Unternehmen seinen Sparkurs fortsetzen und sogar noch verschärfen.
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DÜSSELDORF. Der britische Mobilfunkriese Vodafone reagiert mit einem verschärften Sparprogramm auf Probleme in den europäischen Märkten. Konzernchef Vittorio Colao verdoppelte das Ziel für Kostensenkungen auf zwei Mrd. Pfund (2,2 Mrd. Euro) bis zum Jahr 2012. Colao hatte bereits im vergangenen Jahr ein Sparprogramm über eine Mrd. Euro ins Leben gerufen, das ursprünglich bis 2010 laufen sollte. Das Ziel ist aber bereits jetzt erfüllt.

Die Briten reihen sich damit in die Riege der Telekomanbieter ein, die ihren Erfolg mit Sparprogrammen absichern. Auch die Deutsche Telekom will im Februar ein neues Kostensenkungsprogramm vorstellen. Während der Telekom grundsätzlich Wachstumsperspektiven fehlen, profitiert Vodafone zwar von den steigenden Kundenzahlen seiner Töchter in Schwellenländern wie Indien oder Südafrika. Probleme bereiten dem Konzern aber die Töchter in Europa.

Vodafone muss überdurchschnittlich viel investieren

Dort kommen nach Ansicht von Wolfgang Specht von Sal. Oppenheim durch die anstehenden Auktionen von neuen Mobilfunkfrequenzen enorme Kosten auf Vodafone zu. In nahezu allen Ländern Europas versteigert der Regulierer bald neue Kapazitäten für die Mobilfunknetze. „Wir gehen davon aus, dass Vodafone davon wahrscheinlich überdurchschnittlich betroffen sein wird, weil sie so viele Töchter in den großen europäischen Mobilfunkmärkten besitzen“, meint der Analyst.

Insgesamt fielen die Zahlen wie erwartet aus. Der Umsatz stieg in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres, das bei Vodafone im Frühjahr beginnt, um 9,3 Prozent auf 21,8 Milliarden Pfund. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) stieg nur um 2,9 Prozent auf 7,5 Mrd. Pfund. Die Prognose für den operativen Gewinn und den Cash Flow im laufenden Jahr bestätigte Colao.

In Europa jedoch sinken die Umsätze seit einem Jahr. Im abgelaufenen Quartal lag das Minus bei 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab sogar acht Prozent nach. Grund für den Rückgang sind Problemmärkte wie Spanien, wo die hohe Arbeitslosigkeit zu sinkenden Umsätzen führt. Auch auf dem Heimatmarkt Großbritannien hat Vodafone wegen des intensiven Wettbewerbs Umsatz und Gewinn eingebüßt.

Rendite auf dem Wachstumsmarkt Indien bricht ein

Deutschland ist ebenfalls ein Problemfall – hier wächst Vodafone nur noch im Festnetz und mit mobilen Datendiensten. Knapp ein Drittel aller neuen DSL-Kunden entscheiden sich inzwischen für Vodafone, die ihre Festnetztochter Arcor vollkommen integriert hat.

Geholfen haben Vodafone die Töchter in den Schwellenländern. Die südafrikanische Vodacom wuchs ebenso unbeirrt wie Vodafone Indien. Auf dem Subkontinent hat Vodafone viel Geld in den weiteren Ausbau seines Netzes investiert und musste wegen des intensiven Wettbewerbs die Preise senken und eine sekundengenaue Abrechung einführen. Die Rendite auf dem Hoffnungsmarkt ist deshalb in den vergangenen Monaten kontinuierlich geschmolzen – von 34 Prozent im ersten Halbjahr 2007/2008 auf aktuell nur noch 24 Prozent.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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