
HAMBURG/DÜSSELDORF. Der Mobilfunkdienstleister Freenet stößt in neue Geschäftsfelder vor. Die größten Hoffnungen verbindet Vorstandschef Christoph Vilanek mit dem Verkauf von Strom, den Freenet seit Mai anbietet. „Wir müssen Produkte verkaufen, die möglichst nah an unserem bisherigen Geschäft liegen“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Strom eignet sich besonders gut, weil der Markt erst vor kurzem liberalisiert wurde und die Leute bei einem Anbieterwechsel beraten werden wollen. Der Beratungsbedarf wird durch die Entwicklung von Smart Grids noch steigen.“
Smart Grids sind neue Energienetze, die mit dem Internet verbunden sind und Haushaltsgeräte je nach Strompreis an- oder abschalten. Die Deutsche Telekom will in den Bereich vorstoßen. Freenet hat zwar keine Pläne für Smart Grids, spielt derzeit aber verschiedene Optionen beim Stromverkauf durch.
„Wir haben Millionen Kunden und somit eine Vertriebsmacht, von der die Energieriesen nur träumen können“, so Vilanek. Er besitzt 700 Filialen in Deutschland und ist mit gut 16 Mio. Mobilfunkkunden nach eigenen Angaben der drittgrößte Anbieter in Deutschland. Freenet hat kein eigenes Funknetz, sondern mietet Kapazitäten bei den vier Netzbetreibern.
Ein ähnliches Geschäftsmodell plant er auch für die Energiebranche. Die Expansion ist aus der Not geboren. Die Preise für Handy-Minuten sinken seit Jahren, jeder Deutsche besitzt mindestens eine Mobilfunkkarte. Die Shops, vielfach in bester Innenstadtlage, waren in Zeiten des Marktwachstums wichtig, um neue Kunden zu gewinnen. Heute dienen sie nur noch als Anlaufstelle, wenn Kunden ihren Vertrag verlängern wollen.
Viele Experten haben dem Geschäftsmodell der Mobilfunkdienstleister das Aus prophezeit, wenn der Markt einmal gesättigt sein würde. Freenet hat sich durch die Fusion mit dem Rivalen Mobilcom und den Kauf des Wettbewerbers Debitel aber zu so einem großen Spieler aufgeschwungen, dass das Unternehmen überleben konnte.