Mobilität Autobauer stecken im Diesel-Dilemma – und die Kunden auch

Ist der Diesel der Klimaretter, der die CO2-Grenzwerte erreichbar macht – oder ein übler Luftverpester? Die Hersteller stecken in der Klemme.
Kommentieren
Die Industrie sieht die Diesel-Technik als klimaschonenden, CO2-armen Retter der Branche. Quelle: dpa
Dieselfahrzeug in Stuttgart

Die Industrie sieht die Diesel-Technik als klimaschonenden, CO2-armen Retter der Branche.

(Foto: dpa)

Wolfsburg/Berlin Muss man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man ein Auto mit Dieselmotor fährt? Tausende Todesfälle sollen auf das Diesel-Konto gehen, Krankheiten der Atemwege und mit Stickoxiden verpestete Innenstädte sowieso. Sind Fahrverbote in Städten also der richtige Weg? Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig könnte am 22. Februar eine wichtige Entscheidung treffen und den Weg frei machen für genau diese - rechtlich umstrittene - Maßnahme.

Dem Urteil bangen viele entgegen - die Autofahrer, deren gar nicht mal so alte Wagen es dann treffen könnte; die Politik, die sich um die Stickoxidbelastung lange nicht gekümmert hat; aber vor allem die Autobauer, die immer mehr darum kämpfen müssen, die EU-Grenzwerte gerade beim Klimagas CO2 zu erreichen. Aber geht das ohne Diesel?

Das ist das Dilemma, in dem die Hersteller stecken. Wollen sie den Dieselmotor ersetzen, sind sie geradezu dazu verdammt, Elektroautos so bald wie möglich zum Erfolg zu machen. Davon sind sie aber weit entfernt. Selbst wenn es gelingt, verhindert der deutsche Strommix, dass E-Autos auf Anhieb die erhofften Saubermänner sind.

Werden etwa CO2-Grenzwerte verfehlt, drohen Strafzahlungen - vom erneuten Imageschaden ganz zu schweigen. Helfen könnte dabei der Diesel, doch dessen Anteil an den Zulassungen sinkt seit langem. Der Abgasskandal sowie immer neue Enthüllungen wie Abgastests an Affen und der Verdacht auf Tests sogar mit Menschen belasten seinen Ruf schwer. Und den der ganzen Branche - wieder einmal.

Doch ist das in diesem Fall berechtigt? Die Industrie sieht die Diesel-Technik - wenig überraschend - in deutlich rosigerem Licht, nämlich als klimaschonenden, CO2-armen Retter der Branche. Für Matthias Wissmann, den scheidenden VDA-Präsidenten, ist E-Mobilität die große Lösung, aber nicht die einzige. Der Verbrennungsmotor werde noch gebraucht, auch der Diesel „in seiner modernsten Form“, betont er seit Monaten. Nur: Glauben die verunsicherten Kunden das noch?

„Totgesagte leben länger“, sagt Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie. Alle Fragen der Emissionen seien in den neuesten Ausbaustufen gelöst, der Diesel werde noch lange bleiben. „So lange wir das Bedürfnis haben, das Fahrzeug mehr als 100 Kilometer zu bewegen“, sagt er mit Blick auf die unter realen Bedingungen oft geringen Reichweiten der E-Autos.

Dieselmotoren seien die effizienteste Variante mit Vorteilen beim CO2-Ausstoß, bei hohen Laufleistungen und der Reichweite. Partikel und Stickoxide - an Stickoxiden und der Abschaltung der Reinigung entbrannte 2015 der Abgasskandal - seien kein Thema mehr.

Zwiespältig sieht dies Branchenexperte Stephan Bratzel. Es gebe inzwischen vergleichsweise saubere Diesel, aber diese seien teuer und nicht in allen Segmenten sinnvoll. Beim CO2-Ausstoß seien Diesel mittelfristig eine Alternative, doch der hohe Verbrauch der immer zahlreicheren Stadtgeländewagen fresse den Diesel-Vorteil nahezu auf. Wandern Kunden zum Benziner ab, verschärft sich das Problem.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Ist allein die E-Mobilität die Lösung?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Mobilität - Autobauer stecken im Diesel-Dilemma – und die Kunden auch

0 Kommentare zu "Mobilität: Autobauer stecken im Diesel-Dilemma – und die Kunden auch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%