Mobivia übernimmt ATU

Franzosen wollen Werkstattkette wieder flott machen

Seit dem geplatzten Börsengang läuft es bei ATU nicht mehr rund. Nun soll Deutschlands größte Werkstattkette wieder in die Spur finden – unter Führung eines Branchenriesen aus Frankreich.
  • Alexander Dziedeck
Update: 21.09.2016 - 15:08 Uhr
Die Zukunft der kriselnden Werkstattkette hängt immer noch am seidenen Faden. Quelle: dpa
A.T.U-Werkstatt

Die Zukunft der kriselnden Werkstattkette hängt immer noch am seidenen Faden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie angeschlagene Autowerkstattkette ATU wird voraussichtlich vom französischen Branchenprimus Mobivia übernommen. Bis zum Ende des Jahres soll der Verkauf abgeschlossen sein, wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Mobivia ist viel größer als das deutsche Unternehmen, nach eigenen Angaben ist der Konzern mit rund 11.000 Mitarbeitern und 1,76 Milliarden Euro Umsatz Marktführer in Europa.

„Die Mobivia Groupe als eine der führenden internationalen Adressen im Kfz-Werkstattgeschäft ist für uns der ideale strategische Eigentümer“, erklärte ATU-Chef Jörn Werner. Bisher ist der französische Konzern auf dem deutschen Markt nicht vertreten.

Stellenabbau oder Filialschließungen sind nach Angaben eines ATU-Sprechers im Rahmen der Übernahme nicht geplant. Allerdings steht der Verkauf der Kette mit ihren über 600 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch unter Vorbehalt. Unter anderem ist eine kartellrechtliche Genehmigung notwendig.

Zudem stellt Mobivia eine Bedingung: Das ATU-Management soll die hohen Mietkosten für die Niederlassungen senken und die Verträge mit den Vermietern nachverhandeln. ATU litt in den vergangenen Jahren unter starken Umsatzrückgängen und war auf der Suche nach einem Investor.

Der Händler für Autozubehör betreibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz 608 Werkstätten und beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen macht nach eigenen Angaben jährlich mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und gehört damit zu den größten der Branche.

Die Abkürzung ATU steht für „Autoteile Unger“ und geht zurück auf ihren Gründer Peter Unger. Die Werkstattkette ist seit der Gründung im Jahr 1985 auf permanentem Expansionskurs – auch dank des speziellen Geschäftsmodells, eine Verbindung zwischen Autozubehörshop und Werkstätten für alle Automarken.

Was die weltweit wichtigsten Autoländer bewegt
Ausblick auf den Automarkt
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Ob ein Automarkt floriert oder einbricht, hängt immer öfter mit dem staatlichen Handeln zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Weltweit haben die Experten die Situation auf den Automärkten analysiert und zeigen den starken Einfluss von Subventionen, Steuersenkungen und Marktanreizen. Ein Überblick.

China
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Der chinesische Markt war jahrelang das El Dorado der Branche. Großes Wachstum und ebenso große Margen gingen Hand in Hand. Durch staatliche Anreize dürfte der Autoabsatz in China das Jahr mit einem Plus von acht Prozent abschließen. Nächstes Jahr soll es mit einem Plus von fünf Prozent auf 24 Millionen Fahrzeuge etwas langsamer vorangehen.

USA
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erWegen des niedrigen Ölpreises und der niedrigen Zinsen steuert der US-Markt auf ein neues Rekordjahr zu. Allerdings fällt der Zuwachs mit einem Prozent sehr mager aus. Im kommenden Jahr rechnen die Experten sogar damit, dass der Markt um zwei Prozent auf 17,6 Millionen verkaufte Fahrzeuge schrumpfen könnte.

Japan
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Der japanische Automarkt ist seit Jahren auf einer Achterbahnfahrt – gefangen zwischen starkem Yen und neuen Kaufanreizen durch die Regierung. Nach einer Mehrwertsteuererhöhung und einem Absturz hat sich der Absatz dieses Jahr wieder bei fünf Millionen verkauften Fahrzeugen stabilisiert. Im kommenden Jahr wird ein Wachstum von fünf Prozent erwartet.

Großbritannien
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Auf der Insel geht das Brexit-Gespenst um. Obwohl noch nicht einmal die Verhandlungen über den Ausstieg aus der EU begonnen haben, rechnen die Experten mit einem Abschwung des Automarktes. Im Jahr 2016 legt der Markt zwar noch leicht zu, für 2017 wird ein Absturz um neun Prozent erwartet.

Deutschland
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Der deutsche Automarkt hat sich von seiner Schwäche erholt und dürfte das laufende Jahr mit einem Plus von fünf Prozent und 3,35 Millionen verkauften Fahrzeugen abschließen. Im Jahr 2017 soll es langsamer vorangehen. Vorausgesagt wird ein Wachstum von einem Prozent.

Frankreich
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Die französischen Autobauer PSA und Renault können aufatmen. Ihr Heimatmarkt entwickelt sich mit eine Plus von sechs Prozent oder 2,1 Millionen verkauften Fahrzeugen wieder überdurchschnittlich, allein der Diesel schwächelt. Allerdings soll das Absatzplus im kommenden Jahr mit drei Prozent deutlich geringer ausfallen.

Nach der Wiedervereinigung erweiterte ATU das Filialnetz in die neuen Bundesländer und eröffnete bereits 1992 die hundertste Filiale. Wenige Jahre später wurden weitere Filialen in Osteuropa und Österreich eröffnet.
Im Jahr 2002 kam es dann zu einem Umbruch im Unternehmen. Peter Unger, der die Firmenanteile bis dato größtenteils alleine gehalten hatte, verkaufte die Anteilsmehrheit von 75 Prozent an den Finanzinvestor Doughty Hanson. Der Hauptgrund für den Verkauf soll die unsichere Firmennachfolge gewesen sein.

Häufige Chefwechsel brachten Unruhe
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