Mode
Escada geht optimistisch in die Insolvenz

Wenn es nach dem bisherigen Management geht, wird Escada als Luxusmarke weiterleben. Trotz Insolvenz will Vorstandschef Bruno Sälzer jetzt Optimismus verbreiten. Eine angemessene Reaktion? Wie Analysten und Anleger sein Krisenmanagement bewerten.

DÜSSELDORF. "Wir gehen gut vorbereitet in die Insolvenz." Vorstandschef Bruno Sälzer versuchte gestern auf einer Betriebsversammlung des Luxusmodekonzerns Escada in Dornach bei München etwas Optimismus zu verbreiten. Es gebe ja einen Gesamtplan, um das Unternehmen zu sanieren. "Bei dem sind wir in den vergangenen Monaten schon ein ganzes Stück vorangekommen."

Sälzer hatte gestern Mittag für eine halbe Stunde die Sitzung mit Vorstand und Aufsichtsrat unterbrochen, um die insgesamt 2 300 Angestellten zu informieren, dass am heutigen Donnerstag der Antrag auf Insolvenz "wegen unmittelbar drohender Zahlungsunfähigkeit" gestellt wird. Denn seit Dienstagnacht ist klar: Der Rettungsplan zur Restrukturierung von Escada ist gescheitert.

Nur 46 Prozent der Anleger waren bereit, auf einen Großteil der Unternehmensanleihe über insgesamt 200 Mio. Euro zu verzichten, um die Schuldenlast zu verringern. Aber 80 Prozent der Investoren hätten dem Anleihetausch zustimmen müssen. Nur dann wären die Großaktionäre, die Tchibo-Eigner Wolfgang und Michael Herz, bereit gewesen, bei der notwendigen Kapitalerhöhung von rund 29 Mio. Euro mitzuziehen. Nur dann wollten Banken zustimmen, die Avalkreditlinie von 13 Mio. Euro zu verlängern. Das ist jetzt Makulatur.

"Wir hatten erwartet, dass eine Quote von 50 Prozent für die Anleihe erreicht wird", sagte Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe in Düsseldorf. Er gehörte zu den Analysten, die vom Umtausch abgeraten hatten. Escada-Chef Sälzer bezeichnete die Umtauschquote als "sehr bedauerlich". Alle anderen hätten bereits ihren Teil zur finanziellen Restrukturierung beigetragen.

Aber Sälzer, der vor gut einem Jahr als Vorstandschef antrat, gibt noch nicht auf. Der Vorstand beabsichtige, sein Konzept zur Neuausrichtung dem vorläufigen Insolvenzverwalter vorzustellen, teilte er mit. Wer das wird, war gestern noch offen. Branchenbeobachter gehen jedoch davon aus, dass der Escada-Chef nicht unter der Regie eines Insolvenzverwalters arbeiten wird. Er sei es gewohnt, das Heft selbst in der Hand zu behalten. Der Aufsichtsrat diskutierte gestern zwar bis etwa 17 Uhr. "Sälzer stand aber nicht in der Kritik", war aus Aufsichtsratskreisen zu hören. Er bleibe erst einmal weiter im Amt.

Escada bekommt nach jahrelangem Missmanagement derzeit die weltweite Krise in der Luxusbranche zu spüren. "Der normale, verschärfte Wettbewerb hat das Luxussegment in Deutschland erreicht", sagte Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer vom Modeverband German Fashion in Köln.

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