Mode
Lust auf Luxus ist ungebrochen

Das Geschäft mit den Reichen und Schönen glänzt zwar schon länger wieder. Bottega Veneta ist der hellste Stern am Firmament der Luxusgüterindustrie. Der Wunsch nach Authentizität bringt aber auch die Monomarkenkonzerne wieder nach vorne, deren Untergang in den vergangenen Jahren mehrfach vorausgesagt wurde.

DÜSSELDORF. Die italienische Lederwarenmarke Bottega Veneta hat den Umsatz im dritten Quartal um 56,5 Prozent gesteigert und erwartet für das Geschäftsjahr 2006 Erlöse von knapp 300 Mill. Euro. Die „venezianische Werkstatt“ ist zudem nicht nur eine Ertragsperle für ihren Mutterkonzern, das französische Konglomerat PPR, sondern als Luxusmarke ohne Logo und Parfum auch ein Trendsetter in der Boombranche.

Das Geschäft mit den Reichen und Schönen glänzt zwar schon länger wieder – nach den dunklen Tagen der Terroranschläge und der Sars-Seuche Anfang des Jahrzehnts. Prognosen wie die der Investmentbank Lehman Brothers, die für das Gesamtjahr ein Plus von 8,4 Prozent vorausgesagt hatten, könnten jedoch noch übertroffen werden. Dem World Wealth Report zufolge wächst die Zahl der Superreichen weltweit stärker denn je – vor allem in Asien. Und auch in Deutschland steigt die Lust auf Luxus. Der TopLevel Studie 2006 des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge wächst nicht nur die Konsumfreude allgemein, sondern über breite Bevölkerungsschichten auch die Faszination für Luxusmarken und die Bereitschaft, für Edles viel Geld auszugeben.

Vom Boom profitierten bislang vor allem die Luxusgütergruppen mit ihrem breiten Portfolio an Mode-, Schmuck- und Uhrenmarken und globalen Werbefeldzügen. Die beiden weltgrößten Luxusgütergruppen LVMH und Richemont wachsen seit Jahren kräftig und steigern ihren Wert. Das Flaggschiff von LVMH etwa, der Pariser Koffermacher Louis Vuitton, kletterte 2005 von Platz 44 auf Platz 18 der Interbrand Rangliste „Best Global Brands“ und überholte dabei Weltmarken wie Pepsi, Sony und Siemens. Der Wert der Marke verzweieinhalbfachte sich von 6,6 auf 16,1 Mrd. Dollar.

Auch die Luxussparte von PPR, zu der neben Bottega Veneta noch neun weitere Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent gehören, legte beim Umsatz im dritten Quartal insgesamt um 17,1 Prozent zu, und soll weiter ausgebaut werden. Erst im Juni hatte sich Vorstandschef Francois-Henri Pinault von den Printemps-Warenhäusern getrennt. Zuvor waren schon der Baustoffanbieter Pinault Bois und der Büroartikelversender Guilbert versilbert worden. Und die Gerüchte um den Verkauf der Elektronikkette Fnac reißen nicht ab. Die Börse honoriert die Neuausrichtung von PPR. Die Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten stark gestiegen.

Das Luxusgeschäft ändert sich jedoch – auch wenn die beiden großen Wachstumsthemen Asien und Accessoires vorerst bleiben. Einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Company zufolge orientiert sich die Luxusklientel verstärkt an Werten wie Verarbeitung, Innovationsgrad und Tradition. Die reine Markenfixierung und opulente Logomanie der 90er Jahre scheinen vorbei.

Bestes Beispiel für das neue Understatement ist Bottega Veneta. Die italienische Marke hat die Tugenden der Branche – Handwerkskunst, Exklusivität und Traditionsbewusstsein – in den vergangenen Jahren auf die Spitze getrieben. Die Kollektionen der Marke werden ausschließlich in den eigenen Werkstätten nördlich von Mailand produziert und exklusiv vertrieben. Aus der Hand gegeben hat Bottega Veneta noch nicht einmal eine Lizenz für das margenträchtige Parfümgeschäft. Im Sinne der vornehmen Zurückhaltung verzichtet die Marke auch auf ein Logo – das charakteristische Flechtmuster ist Erkennungszeichen genug.

Der Wunsch nach Authentizität bringt auch die Monomarkenkonzerne wieder nach vorne, deren Untergang in den vergangenen Jahren mehrfach vorausgesagt wurde. Familienunternehmen wie die Schweizer Uhrenmanufaktur Patek Philippe können ihre Werte nachhaltiger vermitteln und entsprechend auf millionenschwere Werbefeldzüge à la Louis Vuitton verzichten. Ihre operative Umsatzrendite liegt Berechnungen von Bain & Company zufolge bei 20 Prozent und ist damit genauso hoch wie die der Luxusgruppen.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%