Modebranche
Die Mode und die Krise – ein Riesenspektakel

Auch in der Krise feiert Mailand sich und seine Modeindustrie ausgelassen. Pink Floyd macht zur großen Modewoche die Musik, die Töchter von Bob Geldorf oder Annie Lennox tragen die Kollektionen zur Schau. Doch hinter den glitzernden Kulissen herrscht Nervosität und sind die schlechten Zeiten spürbar. Selbst bei Italiens Modekönig Giorgio Armani.

MAILAND. Donnerstagabend. Der Mailänder Dom ist in blaues und rosa Licht getaucht. Doch die 40 000 Menschen auf dem Vorplatz der majestätischen Kathedrale schauen in die entgegengesetzte Richtung: Dort wo auf einer Bühne das Modehaus C`n`C seine Models laufen lässt. Die Prima Ballerina des Pariser Staatsballetts Eleonora Abbagnato tanzt zu Pink Floyd Musik und die Töchter von Bob Geldorf, Annie Lennox und Pearl Low tragen die neue Kollektion zur Schau.

Ein Riesenspektakel wie es Mailand seit den 80er Jahren nicht mehr gesehen hat. Massenveranstaltung statt elitärer Show. Ein Zeichen der Zeit.

Italiens Modeindustrie steckt tief in der Krise und die Modewoche in Mailand gilt als Barometer für die gesamte Branche. Ob die Röcke nun kürzer oder die Schulterpolster kleiner werden, werden die Experten nächste Woche ausgemacht haben. Eins ist aber jetzt schon klar: Die sonst so auf die Mode-Elite fokussierte Industrie öffnet sich den Massen. Das zeigt das öffentliche Spektakel auf dem Domplatz ebenso wie die neue D&G Kollektion von Domenico Dolce und Stefano Gabbana: Statt schwer zu tragenden skurrilen Formen bieten sie den Cowgirl-Look mit Jeanshemd und Halstuch an. "Die Leute wollen Praktisches", erklären die beiden offen. "Niemand hat derzeit Lust zu riskieren, auch nicht, wer einkauft". Also Nummer Sicher und die Pforten auf für normale Menschen.

Dabei hatten sich erst vor wenigen Wochen die Modehäuser Mailands beschwert, weil die Stadt auf dem Domvorplatz banale Beachvolleyball-Felder und Fußballfelder gestattet hatte. Das passe nun wirklich nicht zum edlen Image der Designer-Stadt, so die Beschwerde. Soll heißen: Freizeitkicker und-sportler haben eh kein Geld für unsere Boutiquen.

Es gibt sie auch immer noch die vielen Shows der großen Marken, bei denen sich die Moderedakteurinnen vor allem durch ihre zugewiesene Distanz zum Sitzplatz der US-Vogue-Chefin Anna Wintour definieren. Wenn der Bote die persönlichen Einladungen in die Redaktion bringt, ist noch immer ein herzzerreißendes: "Wie, nur ein Stehplatz?" garantiert, wenn es nicht einmal zum Plastik-Stuhl in den hinteren Reihen reicht. Aber der Trend geht zur Öffnung.

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