Modebranche
Textilhersteller investieren in eigene Shops

Mitten in der Wirtschaftskrise bauen Modeproduzenten ihre eigenen Ladenketten aus - und machen den etablierten Händlern zu schaffen. Doch das Konzept ist nicht ohne Risiko.

DÜSSELDORF. Wenn Berlin-Touristen Erinnerungsfotos vom Kurfürstendamm und dem berühmten Café Kranzler schießen, haben sie Gerry Weber immer mit im Fokus. Der westfälische Modehersteller hat im Kranzler-Eck einen seiner Flagship-Stores angesiedelt, in prominenter Lage hängen auf zwei Etagen ausschließlich die eigenen Damen-Kollektionen.

Mitten in der Wirtschaftskrise sprießen die Geschäfte aus dem Boden, die nur die Kollektion eines Herstellers anbieten. Immer häufiger kümmern sich die Produzenten selbst um Laden-Standorte, Personal und Logistik, ohne die Umleitung über den Groß- und den Facheinzelhandel zu nehmen - sie vertikalisieren ihren Vertrieb. Zwischen 2006 und 2008 haben Bekleidungshersteller ihre selbst bewirtschafteten Läden rasant vermehrt: Marc O'Polo steigerte die Zahl seiner selbst betriebenen Läden um 116 Prozent auf 41. Selbst Esprit, mit langjähriger Erfahrung in der Vertikalisierung, legte noch einmal um 15 Prozent auf 130 Geschäfte zu.

Hinzu kommen noch Ladenkonzepte, die mit Einzelhandels-Partnern oder Franchise-Nehmern betrieben werden. Inzwischen positionieren Hersteller wie S.Oliver aus dem bayerischen Rottendorf sogar nur eine einzige Modelinie, S.Oliver Selection oder QS, in eigenen Geschäften im In- und Ausland. "Diese Konzepte möchten wir vorantreiben, wir haben hier noch viel vor", sagte Andreas Kromer, Managing Director Sales bei S.Oliver, dem Handelsblatt. Zu den 117 eigenen Läden sollen auch in diesem Jahr weitere hinzukommen. Zum Vergleich: Der amerikanische Modehersteller Tommy Hilfiger betreibt weltweit 700 Läden.

Das Konzept ist aber nicht ohne Risiko. "Die kritische Größe für ein rentables eigenes Einzelhandelskonzept ist bei den meisten Herstellern noch lange nicht erreicht", sagt Klaus Harnack, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner. Laut Branchenkenner verdienen nur die großen vertikalen Anbieter wie H&M oder Zara trotz aktueller Wachstumsprobleme mit ihren Läden Geld. Für Produzenten mit kleineren Ladenketten sind die Kosten dagegen enorm, auch wenn sie die Aufschläge für den Großhandel einsparen: Die Ladenmieten in Top-Lagen wie am Hamburger Jungfernstieg oder der Londoner Regent Street sind hoch, gut geschultes Personal ist teuer, hinzu kommen noch Logistik-Kosten für die eigene Lagerhaltung, IT-Investitionen und hohe Ausgaben für den eigenen Ladenbau. In Großstädten ist dabei ein Verkaufsaufschlag von 300 bis 450 Prozent auf den Herstellungspreis der Mode notwendig, um überhaupt die Mieten zahlen zu können.

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