Modekonzern
Aktionäre von Escada verschenken Anteile

Nun also doch: Escada bessert seinen finanziellen Notplan nochmals nach. Der ums Überleben kämpfende Modekonzern würde allen Gläubigern, die bereit sind, eine Anleihe mit deutlichen Wertverlusten einzutauschen, zusätzlich Aktien als Entschädigung anbieten.

jojo/wt DÜSSELDORF. Die Großaktionäre der Damenmodemarke Escada gehen einen ungewöhnlichen Weg, um ihr schwer angeschlagenes Unternehmen doch noch zu retten: Sie verschenken einen Teil ihrer Papiere an die Anleihegläubiger, um deren Entgegenkommen zu erlangen. So wollen sie sicherstellen, dass die ins Stocken geratene Umschuldung des Luxuslabels in letzter Minute gelingt. Andernfalls droht Escada noch im August die Insolvenz.

Für jede Anleihe im Nennwert von 1 000 Euro, die Investoren zum Umtausch einreichen, bekommen sie zehn Aktien aus dem Besitz der größten Anteilseigner, teilte Escada mit. Damit möchten Aktionäre und Unternehmen erreichen, dass wie geplant mindestens 80 Prozent der Anleihebesitzer ihre Papiere abgeben.

Um sich von seiner Schuldenlast zu befreien, will Escada den Besitzern des 200-Mio.-Euro-Bonds nur noch 40 Prozent ihres ursprünglichen Einsatzes zurückzahlen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatte dagegen allerdings Front gemacht und Nachbesserungen verlangt. Ein Sprecher der SdK sagte gestern, für eine Bewertung des neuen Angebots sei es noch zu früh. Die SdK müsse erst einmal alles durchrechnen.

Offenbar läuft der Umtausch der Anleihe ausgesprochen schleppend. Bis gestern hatte sich noch nicht einmal etwas mehr als die Hälfte der Investoren zum Umtausch entschlossen. Bei Erreichen dieser Schwelle müsste die Firma laut Prospekt die Umtauschquote bekanntgeben.

Genaue Zahlen wollte Escada nicht zur Verfügung stellen. Dabei sollte die Frist ursprünglich an diesem Freitag enden. Nun müssen sich die Anleihegläubiger bis zum 11. August entscheiden. Escada hatte die Konditionen für den Umtausch der Anleihe bereits Mitte Juli verbessert.

An der Börse sorgte die Ankündigung gestern für Begeisterung. Der Aktienkurs kletterte zeitweise um mehr als 14 Prozent auf 2,65 Euro. Neben den Großaktionären Rustam Aksenenko, Wolfgang Herz und der spanischen Bestinver verschenkt auch Vorstandschef Bruno Sälzer Aktien aus dem eigenen Bestand. Sollten alle Anleihebesitzer auf das Angebot eingehen, würden zehn Prozent aller Aktien den Besitzer wechseln.

Das neue Umtauschangebot kommt nicht überall gut an. „Uns hat es nicht überzeugt“, sagt Christoph Schlienkamp, Analyst vom Bankhaus Lampe in Düsseldorf. Er empfiehlt daher, das Angebot abzulehnen. Ein Großanleger, der 25 Prozent der Anleihe hält, ist offensichtlich der selben Überzeugung. Im Markt ist zu hören, er verlange eine deutliche Nachbesserung, bevor er tausche.

In Sachen Sympathie hat der Modekonzern auch noch Nachholbedarf. Nach einer neuen Studie von KPMG und Markenverband zur Luxusbranche landet er mit 16 Prozent auf Platz zwölf in Deutschland.

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