Modekonzern
Escada überzeugt spanischen Großaktionär

Bruno Sälzer kommt bei der Sanierung des Luxusmodeherstellers Escada aus Aschheim bei München voran. Der spanische Investor Bestinver Gestion will bei der geplanten Kapitalerhöhung einen Anteil von sieben Millionen Euro übernehmen. Das erfuhr das Handelsblatt aus gut informierten Branchenkreisen. Escada selbst wollte die Nachricht „weder dementieren noch bestätigen“.

DÜSSELDORF. Bestinver Gestion ist bei Escada kein Unbekannter. Das Unternehmen, das als Tochter der Bestinver-Gruppe zum spanischen Baukonzern Acciona in Madrid gehört, ist bereits seit Jahren an Escada beteiligt. Zuletzt hatten die Spanier ihren Anteil auf 10,17 Prozent erhöht. Damit sind die Spanier hinter dem russischen Investor Rustam Aksenenko (20,88 Prozent) und den Tchibo-Eigentümern Wolfgang und Michael Herz (zusammen 24,9 Prozent) viertgrößter Einzelaktionär.

Mit Bestinver dürfte die Kapitalerhöhung von insgesamt 30 Millionen Euro weitgehend gesichert sein. Denn Wolfgang und Michael Herz haben laut Sälzer bereits zugestimmt, „bis zu 20 Millionen Euro zu übernehmen, falls alle anderen auch ihren Beitrag leisten“. Es fehlen also demnach nur noch drei Millionen, um die Kapitalerhöhung durchzuziehen.

Die Zeit drängt: Der Escada-Chef hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass der Konzern nur noch bis Ende Juli Geld habe. Escada spürt die Wirtschaftskrise und kam mit seinen letzten Kollektionen offenbar bei den Kundinnen immer weniger an. Anfang Juli will Sälzer in Berlin die erste Kollektion zeigen, die er als neuer Vorstandschef mit geprägt hat.

Die Börse reagierte gestern erfreut über die Nachrichten zur Kapitalerhöhung. Die Aktie legte bis zum Nachmittag gegenüber dem Vortag zeitweise um mehr als vier Prozent auf 2,94 Euro zu. Analysten merkten aber an, dass mit der Kapitalerhöhung nur eine Minimal-Bedingung für das Überleben von Escada erfüllt werde. „Die Zusage von Bestinver geht in die richtige Richtung“, kommentierte Thomas Rosenke, Analyst der WestLB in Frankfurt. „Sie ist aber keine wirkliche Überraschung.“

Tatsächlich ist die Kapitalerhöhung nur ein Mosaikstein von vielen, um Escada zu sanieren. Vor kurzem hatte sich Sälzer von der Tochtergesellschaft Primera getrennt, weil deren Marken Apriori, Laurèl, Biba und Cavita, die mehr im mittleren Preisbereich angesiedelt sind, nicht zur Luxusmarke Escada passten. Der erzielte Preis lag aber unter dem Buchwert, so dass Escada umfangreiche Wertberichtigungen vornehmen musste. Parallel verhandelt Sälzer mit Banken über neue Kredite.

Doch das größte Problem des umfangreichen Sanierungsprogramms ist die Unternehmensanleihe. „Nur wenn unsere Gläubiger auf einen Teil der 200 Mio. Euro verzichten, die 2012 fällig werden, können wir überleben“, sagte Sälzer im Handelsblatt-Gespräch. Er sei vor allem unsicher, ob die Privatanleger das Angebot annähmen.

Doch noch liegt das Umtauschangebot nicht vor. Eigentlich wollte der Escada-Chef schon Anfang Juni soweit sein. Ein Firmensprecher begründete die Verzögerung mit dem komplexen Prospekt und dessen Prüfung durch die Finanzaufsicht. „Wir werden das Angebot in den nächsten ein bis zwei Wochen bekannt geben“, kündigte er gestern an.

Damit wird die Zeit für den Umtausch der Anleihe knapp. Schließlich geht Escada ja, so Sälzer, Ende Juli das Geld aus.

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