Modekonzern
Esprit erobert Fernost

Die weltweit siebtgrößte Modekette Esprit zieht ins Reich der Mitte. Der Textilkonzern aus dem nordrhein-westfälischen Ratingen setzt künftig auf China statt auf Europa und hat in einem ersten Schritt sein dortiges Joint-Venture vollständig unter seine Kontrolle gebracht.
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DÜSSELDORF. Für die 51 Prozent seines bisherigen Partners China Resources Enterprise, eine Modekette, die in China über 1 000 Läden in Eigenregie oder über Franchisenehmer betreibt, blättert das Modehaus knapp 350 Mio. Euro auf den Tisch. „Unser Wachstum in Europa ist limitierter als in China“, begründete Aufsichtsratschef Heinz Kroger den Schritt gen Osten.

Konsumenten shoppen weniger

Den Textilunternehmen rund um den Globus hat die Wirtschaftskrise hart zugesetzt, da viele Verbraucher aus Angst vor wirtschaftlichem Abstieg Konsumausgaben einschränken. Während einige Märkte schon wieder dabei sind, sich von der Krise zu erholen, gehen Experten für Europa und die USA nicht davon aus, dass die Lust des Verbrauchers am hemmungslosen Konsum allzu bald zurückkehrt. Stattdessen droht die Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr weiter anzusteigen und die Politik mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer. Diese Gemengelage hat auch das Geschäft von Esprit belastet. Anfang Dezember kündigte das Unternehmen deshalb an, den Wachstumskurs zu drosseln. Statt der geplanten bis zu 80 neuen Läden in Europa sollen im laufenden Geschäftsjahr lediglich noch 50 neue Filialen eröffnet werden.

Wachstum verspricht sich Esprit, wie derzeit viele Modekonzerne, von China. Dort expandiert auch der spanische Konzern Inditex, größter Textil-Einzelhändler der Welt – und konnte in der Folge in diesem Jahr erstmals den US-Konkurrenten Gap überholen. Auch Luxuskonzerne wie Burberry, Richemont oder PPR setzen voll auf den asiatisch-pazifischen Raum.

Der chinesische Markt, der am stärksten wächst in Asien, sei von großem strategischen Wert und einer der wichtigsten Wachstumstreiber, so Esprit. Analysten begrüßten die Entscheidung. „Um global und in Europa zu wachsen, braucht das Unternehmen China“, sagte etwa Ashley Cheung von BOCI Research in Hongkong der Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch der Preis sei gerechtfertigt.

„Eine völlig neue Dimension“

Aufsichtsratschef Kroger erklärte, die angestrebte Übernahme eröffne eine völlig neue Dimension für Esprit. Künftig soll das Chinageschäft der entscheidende Motor sein, um mittelfristig gesetzte Wachstumsziele zu erreichen. Bislang war das Europa mit Deutschland als größtem Einzelmarkt, der 45 Prozent des Umsatzes einspielt.

Bereits bei der Eröffnung des neuen Flagshipladens in Hongkong im Oktober hatte Kroger angekündigt, künftig weitere größere, neue Läden zu eröffnen. In Hongkong, bislang werden hier 2,2 Prozent des Umsatzes generiert, sind bis zu 15 dieser Verkaufslokale geplant.

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