Modekonzern
Pleite in Pink – Ende der Weltmarke Escada

Einst war Escada eine Weltmarke, das größte Damenmodeunternehmen der Welt. Nun meldet der deutsche Luxuskonzern Insolvenz an. Der Finanzplan zur Rettung des Unternehmens sei gescheitert, teilte das Unternehmen am Dienstagabend in München mit. Doch nicht die Krise ist schuld, sondern Jahre des Missmanagements.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Ein Montag im Juni: Ein paar Minuten ehe die große Show von Bruno Sälzer beginnt, öffnet sich der Himmel und schüttelt seine Wolken über München aus. Gründlich. Das Radio warnt vor Überschwemmungen. „Vergessen Sie heute Abend alles, was mit Finanzen zu tun hat“, ruft Sälzer seinen 400 Gästen im Showroom von Escada in Dornach tapfer zu, ehe das erste Model ein Kleid der neuen Kollektion über den Laufsteg führt. Es ist Sälzers erste Kollektion für Escada, die „Neuausrichtung“ soll sie einleiten.

„Wenn dies unsere letzte Kollektion war, dann war es wenigstens eine schöne“, sagt Sälzer. Galgenhumor.

Ein Dienstag im März: Sälzer, im schwarzen Hugo-Boss-Anzug, redet schnell – ganz so, als wolle er die Bilanz-Pressekonferenz möglichst rasch hinter sich bringen. Zahlen können hässlich sein, selbst in der Branche des Schönen. Der Umsatz ist um rund 15 Prozent auf 582 Millionen Euro gesunken, und unter dem Strich steht ein Verlust von rund 70 Millionen Euro. Auf die wiederholten Fragen nach den Verhandlungen mit den Geldgebern reagiert Sälzer fast genervt – er, der es sonst meisterhaft versteht, souverän und cool daherzukommen.

Monatelang hat Sälzer um das Überleben von Escada gekämpft, des Konzerns, der es als einer der wenigen deutschen Modefirmen zu internationalem Ansehen gebracht hat. Und für Sälzer, der als Chef von Hugo Boss Escadas Erfolg kopierte, ging es noch um mehr: um seinen Ruf als Modemanager – und um einen Teil seines Vermögens.

Bruno Sälzer ist gescheitert. Am Dienstag lief eine Frist zum Umtausch einer Anleihe ab, von ihr hing der Rettungsplan für Escada ab. Doch nicht einmal die Hälfte der Investoren zog mit. Noch in dieser Woche will das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Fest steht: Die Pleite von Escada ist eine selbstverschuldete. Jahrelanges Missmanagement plus Wirtschaftskrise: Das war sogar für einen wie Bruno Sälzer zu viel.

Früh ahnt Sälzer, wie schlimm es um Escada steht. Als der neue Vorstandschef Anfang Juli 2008 die Zahlen studiert, ist er geschockt. Einem Vertrauten sagte er: „Dass es um Escada schlecht steht, war mir ja klar. Aber dass es so schlecht steht, nicht. Die Lage ist dramatisch.“ Die Marke mit dem Rennpferd als Logo ist nur noch ein lahmer Gaul. Damit der nicht zum Schlachter muss, greift Sälzer durch: Die meisten Escada-Manager schmeißt er raus und ersetzt sie mit Vertrauten von Hugo Boss.

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