Modekonzern scheitert mit Kauf der Luxusmarke Jil Sander und konzentriert sich auf die Expansion in Amerika
Esprit plant Comeback in den USA

Der Modekonzern Esprit hat die Gespräche mit dem italienischen Luxusgüterkonzern Prada zum Kauf der deutschen Luxusmarke Jil Sander abgebrochen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Heinz Krogner, Vorstandschef von Esprit, wollte die Verhandlungen mit Jil Sander im Gespräch mit dem Handelsblatt weder bestätigen noch dementieren. "Die Pläne, eine Luxusmarke zu erwerben, haben wir zurückgestellt", sagte er. "Wir konzentrieren uns auf unser Comeback in Nordamerika."

RATINGEN. Der Modekonzern Esprit, der an der Hongkonger Börse notiert ist, wird aus Ratingen am Niederrhein geführt. Deutschland ist für den internationalen Modemulti mit 46 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Markt. Bislang bietet Esprit ausschließlich Kleider zu mittleren Preisen. Das Luxussegment galt schon lange als ein vorrangiges Ziel Krogners. Gesucht habe er eine defizitäre Luxusmarke, so Krogner gegenüber dem Handelsblatt, die er günstig hätte kaufen und rasch in den Konzern integrieren können.

Das Hamburger Modehaus Jil Sander, das seit 2000 zum italienischen Prada-Konzern gehört, liegt seit dem Ausscheiden der Gründerin und Chefdesignerin danieder. Über den Verkauf der Marke wurde seit längerem spekuliert. Unter anderem galt der französische Luxuskonzern LVMH, der Prada bereits die verlustreiche Marke Fendi abgenommen hatte, als Interessent. Vom nüchternen Stil her hätten die Jil-Sander-Kollektionen zu Esprit gepasst. Nun will Jil-Sander-Vorstandschef Gian Giacomo Ferraris die Marke wohl unter eigener Regie weiterführen und hat Ende Mai den Belgier Raf Simons als neuen Chefdesigner nach Hamburg geholt.

Esprit konzentriert sich jetzt auf das Comeback in den USA. 1968 war das Modelabel in San Francisco gegründet worden und hatte sich dort in den 80ern zu einer der beliebtesten Marken entwickelt. Doch dann verlor Esprit auf Grund von Missmanagement Marktanteile. 1996 vereinte Michael Ying, bis dato Mehrheitseigner des asiatischen Teils, die in drei Gesellschaften zersplitterte Marke zur Esprit Holding. Die weltweiten Markenrechte entwickelten sich zur Basis für den Erfolg.

Die Wiedereinführung der Marke in den USA geht Esprit vorsichtig an. 15 Mill. Hongkong-Dollar (1,6 Mill. Euro) will der Konzern jedes Jahr investieren. "Esprit ist zwar bekannt, doch eher als eine historische Marke. Unsere Spitzenposition müssen wir uns mühsam wieder zurückerobern", sagt Krogner. Um die Kosten gering zu halten, konzentriert sich Krogner auf New York, wo bis Ende des Jahres 15 Geschäfte entstehen. Außerdem gibt es Kooperationen mit den Kaufhäusern Nordstrom sowie Marshall Fields. "Sobald wir in fünf bis sechs Jahren profitabel sind, werden wir strategische Partner suchen, um breiter wachsen zu können", sagt Krogner.

Die Expansion in Nordamerika ist ein wichtiger Schritt für Esprit. Denn wie die Konkurrenten Gap, Inditex und H & M ist Esprit nach wie vor stark auf eine Region konzentriert. Allerdings verfügt Esprit über starke Wurzeln in Asien. Und während die Konkurrenz nur auf eigene Läden setzt, beliefert Esprit als Großhändler zusätzlich seinen 620 Läden 700 Franchisenehmer und 3 000 Verkaufsflächen in Kaufhäusern. "Esprit nimmt in der Liga der internationalen Großhändler eine Führungsposition ein", sagt Klaus Harnack von der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner.

Esprit wächst rasant. So steigerte der Konzern im ersten Halbjahr 2004/2005 (bis 31. Dezember) seinen Umsatz um 31 Prozent auf 10,45 Mrd. Hongkong-Dollar (1,1 Mrd. Euro). Der Nettogewinn kletterte um 76 Prozent auf 1,65 Mrd. Hongkong-Dollar (165 Mill. Euro).

Dabei dürfte es den Erfolg von Esprit eigentlich gar nicht geben. Denn Esprit ist weder Luxus noch Discounter. Doch die unattraktive Mitte beackert Esprit erfolgreich. Mit zwölf Kollektionen im Jahr reagiert Esprit ebenso schnell wie Inditex auf Trends. Gleichzeitig steht Esprit für höhere Qualität. "Esprit ist optimal positioniert und zeigt, wie attraktiv die Mitte sein kann", sagt Ulla Ertelt von der Unternehmensberatung HML.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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