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Neue Hoffnung für Christian Lacroix

Für den insolventen Modeschöpfer Christian Lacroix gibt es einen weiteren Interessenten. Der italienische Unternehmer Maurizio Borletti, Hauptaktionär der italienischen Kaufhaus-gruppe Rinascente und seit 2006 auch Besitzer des französischen Printemps, hat ein Angebot vorgelegt.

TANJA KUCHENBECKER | PARIS

Für den insolventen Modeschöpfer Christian Lacroix gibt es einen weiteren Interessenten. Der italienische Unternehmer Maurizio Borletti, Hauptaktionär der italienischen Kaufhaus-gruppe Rinascente und seit 2006 auch Besitzer des französischen Printemps, hat ein Angebot vorgelegt. Seit 2005 gehört Lacroix dem amerikanischen Unternehmen Falic, Besitzer von Duty-Free-Läden.

Die Frist für die Einreichung von Übernahmeangeboten des von der Schließung bedrohten Traditionshauses lief am Montag ab. Insgesamt lägen drei Offerten vor, gab Insolvenzverwalter Régis Valliot bekannt, darunter das von Borletti. Das Angebot des Italieners müsse noch bis Ende August ausgearbeitet werden, aber es sei verbindlich. Bis September wird mit einer Entscheidung über die Zukunft von Lacroix gerechnet.

Auch die Unternehmensberatung Bernard Krief Consulting (BKC) hat eine Offerte unterbreitet. Dieses sei aber bisher weder in finanzieller noch in sozialer Hinsicht zufriedenstellend, sagte Valliot. Eine Nachbesserung ist allerdings nicht ausgeschlossen. Möglich wäre auch eine gemeinsame Übernahme mit Borletti. Das dritte Angebot dagegen bezeichnete der Insolvenzverwalter als "haltlos": Zwei Unbekannte, die offenbar keinen Geschäftsplan haben, hätten einen Euro geboten.

Das Haus Lacroix hatte im Juni Insolvenz angemeldet, nachdem im vergangenen Jahr ein Verlust von zehn Mio. Euro bei 30 Mio. Umsatz entstanden war. Im Jahr 2009 ging es weiter abwärts, unter anderem auch deshalb, weil die Strategie stark auf den kriselnden US-Markt ausgerichtet war.

Bisher ist noch nicht bekannt, wieviel Borletti für Lacroix ausgeben will. Doch einige Details des Angebotes drangen bereits an die Öffentlichkeit. Etwa die Hälfte der 125 Beschäftigten sollen übernommen werden. Damit könnte die nächste Haute-Couture-Kollektion für den Januar vorbereitet werden.

"Unser Projekt besteht darin, eine leichte Struktur zu schaffen, die die Haute Couture in den Vordergrund stellt", sagte Borletti. Er ist der Ansicht, dass das Haus rentabel werden kann. Die Parfums sollten weiter beibehalten werden, weil sie Geld einbringen. Dagegen könnte die Prêt-à-Porter-Kollektion zunächst gestoppt werden, um die Verluste zu begrenzen. Wenn die Marke wieder besser läuft, könnte das Geschäft mit der Mode von der Stange auch wieder aufgenommen werden, so der Borletti-Plan.

Der Italiener hat dem Gründer Christian Lacroix sogar eine Teilhabe am Geschäft versprochen. Bisher ist Lacroix nur Angestellter in seinem Haus. Die Falic-Gruppe, mit der Lacroix im Streit liegt, ist dagegen angeblich nur an der Marke interessiert, nicht am Designer selbst.

Lacroix, der aus der Provence stammt, ist einer der wenigen Großen in der ständig kleiner werdenden Riege der Haute Couture. Seine opulente Mode, die vom Stierkampf und der Folklore seiner südfranzösischen Heimat inspiriert ist, begeisterte Kundinnen wie Madonna. Lacroix gilt als Träumer, der seinen Stil über die Jahrzehnte beibehalten hat und nicht wie viele seiner Konkurrenten auf Effekte aus war.

Die Zahlen stimmen nicht, doch die Modewelt bewundert ihn noch immer. Bei seiner letzten Modenschau im Juli bekam Lacroix Standing Ovations. Die Schau wurde im kleinen Rahmen gezeigt, statt 1 000 Einladungen wie sonst gab es nur 200. Fast wäre die Schau aus Kostengründen nicht zustande gekommen. Doch die Models arbeiteten für Lacroix kostenlos und die Zulieferer hatten gespendet. Lacroix wäre allerdings nicht der erste Designer, der die hohe Schneiderkunst aus finanziellen Gründen verlässt.

Sein Modehaus hatte Lacroix 1987 mit Hilfe von Bernard Arnault, Chef der Luxusgruppe LVMH gegründet. Doch Lacroix schrieb mit seiner Mode jahrzehntelang rote Zahlen. 2005 gab Arnault das Verlustgeschäft auf. Doch der neue Eigner, die Falic-Gruppe, hatte auch nicht viel mehr Glück. Viele befürchteten, dass die Haute-Couture-Schau für die Mode des Winters 2009/2010 die letzte war. Doch jetzt gibt es Hoffnung für Lacroix und sein Haus.

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