Modell zur Direktbelieferung der Apotheken bringt Großhändler in Verlegenheit
Pharmahandel macht Front gegen Pfizer

Mit einem neuen Modell zur Direktbelieferung der Apotheken hat der Pharmariese Pfizer die deutschen Arzneimittelhändler aufgeschreckt. Branchenvertreter fürchten, der US-Konzern könnte mit seinem Vorstoß das bisherige System des Pharmahandels komplett aus den Angeln heben.

FRANKFURT/M. Obwohl die Pfizer-Forderungen bereits seit Juni auf dem Tisch liegen, tun sich die Pharmahändler nach wie vor schwer mit einer Abwehr-Strategie. Erst vor wenigen Tagen bezog der Branchenverband Phagro, dem alle 16 deutschen Pharmagroßhändler angehören, erstmals eine klare Position gegen den Pharmariesen. Die Vorschläge lehne man „mit Entschiedenheit“ ab, heißt es in einer Stellungnahme. Das Pfizer-Modell sei ein Eingriff in den Wettbewerb und gefährde ein gut funktionierendes System der Arzneimittelversorgung. Zugleich signalisiert der Phagro Bereitschaft, „über Lösungen zur Verbesserung des Systems zu reden.“ Ob eine Kompromisslösung möglich ist, soll am Mittwoch in einer Verhandlungsrunde unter Beteiligung der Apotheker-Verbände ausgelotet werden.

Bislang hat noch niemand die Pfizer-Bedingungen akzeptiert. Doch fürchten Vertreter des Großhandels, dass einzelne Konkurrenten nachgeben oder externe Logistikfirmen Pfizer eine Offerte nach den neuen Bedingungen unterbreiten werden. „Jeder wartet darauf, dass demnächst eine solche Bombe hoch geht“, sagt Ulrich Kehr, Mitinhaber der gleichnamigen mittelständischen Pharmagroßhandlung.

Pfizer, mit etwa 1,5 Mrd. Euro Umsatz die Nummer Drei auf dem deutschen Pharmamarkt, will seine 750 unterschiedlichen Produkte künftig direkt an die 21 000 deutschen Apotheken liefern. Mit einem „Request for Proposal“ forderte der Konzern die deutschen Pharmahändler auf, bis Ende September Angebote für entsprechende Leistungen zu unterbreiten. Während bisher der Großhandel als Zwischenhändler fungiert hat, will Pfizer künftig Eigentümer der Ware bis zur Übergabe an die Apotheke bleiben. Der Handel würde zum reinen Dienstleister für die Lagerung und Auslieferung der Ware degradiert, mit umfangreichen Informationspflichten bis hin zu Daten über Bestände und Verkaufsmengen der einzelnen Apotheken.

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