Modellbahnhersteller
Märklin geht zum Jubiläum pleite

Es hatte sich bereits angebahnt: Märklin stellt ausgerechnet im 150. Unternehmensjahr einen Insolvenzantrag. Knapp drei Jahre nach der Übernahme durch den Finanzinvestor Kingsbridge und Goldman Sachs steht der Göppinger Modellbahnhersteller damit erneut vor dem Abgrund. Profitiert haben nur die Unternehmensberater - sie rechneten für wirkungslose Sanierungsleistungen Millionen ab.

DÜSSELDORF. Statt des Gehalts kam der Insolvenzantrag. Seit Tagen warteten die Mitarbeiter von Märklin darauf, dass endlich ihre Januargehälter überwiesen werden. Als Antwort erhielten sie von der Geschäftsführung erst Ausflüchte, dann Vertröstungen. Jetzt klärt sich die Lage auf: Märklin, der größte Modellbahnbauer der Welt, hat am Mittwoch beim Amtsgericht Göppingen Insolvenz angemeldet.

Überraschend kam die Nachricht nicht. Es herrschte kein lähmendes Entsetzen gestern bei den 650 Mitarbeitern an den betroffenen Standorten in Göppingen und Nürnberg, keine Fassungslosigkeit. Zu absehbar war der Niedergang, zu offensichtlich die Fehler, mit denen Märklin immer noch tiefer in die roten Zahlen rutschte.

„Man hätte blind sein müssen, um dieses Ende nicht abzusehen“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter. „Aber wenn man die Geschäftsführer aus der Lostrommel zieht und als Berater nur Abgreifer reinholt, dann fährt der Laden eben gegen die Wand.“

Die Zahl der Geschäftsführer, die Märklin seit der Übernahme durch die Finanzinvestoren Kingsbridge Capital und Goldman Sachs 2006 einstellte, ist tatsächlich erstaunlich. Ein halbes Dutzend waren es bis Januar – und für den Februar hatten schon wieder zwei neue Manager ihre Arbeitsverträge unterschrieben. Beide, Ralf Coenen und Rainer Nothwang, hatten laut Mitarbeitern zwar ihre Büros schon einmal betreten, werden jetzt jedoch die Verantwortung an den vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Pluta abgeben. Eine Bezahlung steht ihnen laut Rechtsexperten nun für drei Monate durch das Arbeitsamt zu – genau wie den Märklin-Mitarbeitern, die bereits seit Jahrzehnten in Göppingen an Loks und Güterzügen werkeln.

Wer die Kunden von Märklin nach den Gründen fragt, warum das Unternehmen nun am Boden liegt, erhält immer die gleichen Antworten: Eine verfehlte Preispolitik mit ständigen Erhöhungen schreckte selbst leidenschaftliche Sammler immer häufiger ab, Qualitätsmängel trieben viele Märklinisten zur Weißglut.

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