Modellbahnhersteller
Schlammschlacht bei Märklin

Der insolvente Modellbahnhersteller Märklin kommt nicht zur Ruhe: Zwischen dem Eigentümer und dem Insolvenzverwalter Michael Pluta bahnt sich womöglich eine handfeste Auseinandersetzung an.

GÖPPINGEN. Das Chaos um den traditionsreichen Modellbahnbauer Märklin will nicht enden. Erst ging das Unternehmen ausgerechnet im 150. Jubiläumsjahr pleite, dann sprach der Insolvenzverwalter von angeblich gezahlten „Schweigegeldern“ an leitende Mitarbeiter. Jetzt schlägt der Mehrheitseigentümer Kingsbridge Capital zurück. Die Kriminalisierung des Investors durch den Insolvenzverwalter sei unverantwortlich und müsse sofort aufhören.

Der Mehrheitseigentümer des insolventen Modellbahnherstellers Märklin, Kingsbridge Capital, bezichtigt den Insolvenzverwalter Michael Pluta der Lüge. „Die Behauptungen des Insolvenzverwalters sind absurd und völlig unwahr“, teilte Kingsbridge mit. Plutas Äußerungen über die Gründe für Märklins Insolvenz seien frei erfunden. Kingsbridge deutete an, Pluta wolle den spektakulären Insolvenzfall Märklin dafür nutzen, um für seine Kanzlei mediale Aufmerksamkeit zu erheischen.

Tatsächlich sorgt die Pleite des mit 128 Millionen Euro Jahresumsatz relativ kleinen Unternehmens Märklin auch drei Wochen nach dem Insolvenzantrag noch immer für Aufsehen – angetrieben durch Äußerungen Plutas und dessen Kollegen Fritz Zanker. Pluta hatte unter anderem erklärt, Märklin habe seit 2006 rund 40 Millionen Euro für Berater ausgegeben. Ohne Berater wäre die Firma heute noch am Leben. Zanker sagte auf einer Veranstaltung im Göppinger Rathaus in der vergangenen Woche, es habe seit Einstieg der Finanzinvestoren Kingsbridge und Goldman Sachs auffällige Gehaltssprünge bei leitenden Angestellten von Märklin gegeben. Zanker: „Ab einem gewissen Zeitpunkt ist da Schweigegeld bezahlt worden.“

Kingsbridge fordert Pluta und Zanker nun, auf Unterlassungserklärungen zu unterschreiben, die ihnen untersagen, die angemahnten Sätze zu wiederholen. Ob Kingsbridge es bei diesen Rechtsmitteln belässt oder weitere Klagen wegen Rufschädigung und übler Nachrede folgen lässt, ließ ein Sprecher des Finanzinvestors offen.

Die Kanzlei Pluta wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Auch der Co-Investor Goldman Sachs, der sich 2006 zusammen mit Kingsbridge engagierte und 49 Prozent der Anteile hielt, äußerte sich nicht.

Die Insolvenz von Märklin ist auch deshalb so spektakulär, weil sie ausgerechnet im 150. Jubiläumsjahr des Unternehmens passierte, und weil sie unter der Aufsicht von ausgewiesenen und hoch bezahlten Experten geschah - vom ehemaligen Adidas-Vorstand Michel Perraudin als Beiratschef bis zu den Sanierungsspezialisten von Alix Partners.

Im Nachhinein schieben sich nun alle Beteiligten gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Nach Recherchen des Handelsblattes gab Märklin zwar tatsächlich wesentlich weniger als 40 Millionen Euro für Berater aus – so waren es etwa 2006 nicht wie von Insolvenzverwalter Pluta angegeben 10,7 sondern 5,1 Millionen Euro. Auch dies aber war fast das Dreifache von Betriebsergebnis – und letztlich für Märklin nicht zu verkraften.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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