Modelleisenbahnhersteller
Märklin legt sich mit Beratern an

Mehr als zwei Jahre lang war der angeschlagene Modelleisenbahnhersteller Märklin eine Goldgrube für Berater aller Art. Sanierungsspezialisten, Rechtsanwälte und PR-Strategen kassierten üppigste Honorare, während die Belegschaft an allen Ecken und Ende sparen musste. Nun steht Märklin vor der nächsten Krise - und zumindest eine Unternehmensberatung soll Gelder zurückzahlen.

DÜSSELDORF. Die Krise beim Modellbahnhersteller Märklin schlägt weiter Wellen. Vor wenigen Tagen erst stellte Firmenchef Axel Dietz sein Amt zur Verfügung. Nun sollen nach Angaben von Firmeninsidern auch die Unternehmensberater zur Verantwortung gezogen werden. Sie sollen bei Märklin ohne erkennbaren Nutzen millionenschwere Honorare abgerechnet haben, lauten die Vorwürfe. Allein vom internationalen Beratungsunternehmen Alix Partners werde eine siebenstellige Summe zurückgefordert.

Ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Unternehmensberater bezeichnete Streitfälle zwischen Unternehmen und Berater als höchst ungewöhnlich. Ihm sei kein Fall bekannt, wo je eine Beratung Gelder zurückzahlen musste.

Der Finanzinvestor Kingsbridge Capital, der Märklin 2006 übernahm, wollte sich zu dem Vorgehen gegen Alix nicht äußern. Bei Märklin-Kennern allerdings stößt das Vorhaben auf große Zustimmung. "Es wird höchste Zeit, dass jemand denen mal auf die Finger klopft", sagt ein Manager. "Was die hier an Geld rausgeschleppt haben, steht doch in keinem Verhältnis."

Alix gab auf Anfrage keinen Kommentar. Das Unternehmen kam Mitte 2006 zu Märklin. Die Sanierungsspezialisten rechneten schon in den ersten sechs Monaten siebenstellig ab.. Laut Geschäftsbericht 2006 zahlte Märklin 5,13 Millionen Euro für Beratung - in dieser Summe sind allerdings auch Leistungen von Rechtsanwälten und PR-Strategen enthalten. Insgesamt liegen die Zahlungen für Alix laut Insidern zwischen zwei und drei Millionen Euro. 2007 wurde eine ähnliche Größenordnung erreicht.

Mitarbeiter und Geschäftspartner von Märklin vermissen eine Gegenleistung. Alix strich zwar Stellen, schloss ein Werk und verlagerte die Produktion. Doch 2007 blieb der Verlust genauso hoch wie 2006, und auch 2008 wird das Unternehmen keine schwarzen Zahlen schreiben. Nun müssten noch fünf Millionen Euro beim Personal eingespart werden. Auf einer Betriebsversammlung vor wenigen Wochen wurde gesagt, Märklin sei in der ersten Jahreshälfte vorübergehend zahlungsunfähig gewesen.

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