Modellmangel
Die riskante Wette von Fiat

Fiat kann auf der IAA kein neues Modell präsentieren. Der Hersteller will erst neue Autos auf den Markt bringen, wenn der Markt in Europa wieder anzieht. Doch dabei muss das USA-Geschäft mitspielen.
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FrankfurtZur IAA fährt man nicht mit leeren Händen. Ob Elektroantrieb, Cabrio oder SUV - ohne Weltneuheit lässt sich kein großer Hersteller auf der Leitmesse der Autobranche sehen. Nur einer hat nichts: Fiat. Auf dem Messestand der Italiener steht kein neues Modell, während die Konkurrenz trotz oder gerade wegen Europas Absatzflaute die Muskeln spielen lässt. Selbst Konzernchef Sergio Marchionne blies seinen IAA-Besuch völlig überraschend ab und ließ alle Presse-Termine platzen. Drohen dem Konzern etwa neue Probleme? Zumindest ist der Messeauftritt ein Abbild des Fiat-Kurses durch die Krise: Neuheiten und Erfolgsmeldungen muss man mit der Lupe suchen.

Vor allem die Verkaufszahlen der Tochtermarken sind auf dem Heimatkontinent desaströs. Alfa Romeos Absatz brach alleine in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um ein Drittel ein, Lancia verlor ein Viertel. Beide Marken trifft der Modellmangel besonders hart: Lancia hat nur fünf Autos im Programm, Alfa gerade zwei. Der Marktanteil des Konzerns sackte seit 2011 um zwei Prozentpunkte ab. Trotzdem warten die Händler vergeblich auf neue Modelle.

Und ihre Nerven dürften weiter strapaziert werden. Denn Fiat-Chef Marchionne spielt eine riskante Wette: Er setzt darauf, dass die Konkurrenz mit ihren Modelloffensiven während der Flaute ihr Pulver verschießt. Fiat soll mit Neuheiten punkten, sobald die Nachfrage wieder anzieht und die Konkurrenz ältere Modelle im Markt hat. Die notwendigen Körner für die Zwischenzeit soll die profitable US-Tochter Chrysler liefern. Geht die Rechnung auf, könnte Fiat zum Gewinner der Krise werden.

Denn viele Hersteller kalkulieren so: Wer jetzt Marktanteile verliert, muss sie nach der Krise teuer zurückerobern. Also kämpfen die Konzerne mit allen Mitteln um die verbliebenen Kunden. Die schmerzhafte Rabattschlacht in Europa ist die logische Folge. Natürlich mischt auch Fiat dabei mit. Aber Marchionne will zumindest seine neuen Modelle vor diesem „Blutbad“ schützen.

Berater Christoph Stürmer von IHS Automotive hält die Strategie nicht für aussichtslos. „Die Erfahrung zeigt: Sobald Märkte wieder anziehen, geraten Marktanteile häufig schnell in Bewegung“, sagt er. Wenn Fiat also unter anderem seine Produktionskapazitäten halten kann, könnten die Italiener am Ende das Feld von hinten aufrollen.

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Chrysler füttert seine Mutter Fiat durch

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  • Bevor jetzt hier die großen Philosophien über Nationen und Strategien losgehen (Strategen gibt es wenig, Nationalisten aber zum Sch... füttern).

    Was ist von der Interpretation zu halten: FIAT sieht sich SEINE potentiellen Kunden an (ich gehöre nicht dazu, egal ob und welches neue Modell sie in den Hof stellen, einfach weil ich eine andere Markenprägung habe). Und jetzt stellt sich die Frage, ob die FIAT-Kunden durch neue Modelle zum Kauf gebracht werden können. Wenn die aber kein Geld haben und auch nicht klar ist, wie sie das haben könnten (die Geld-druck-Maschine) stockt, dann nützt die schönste Modelloffensive auch nichts.

    Es bleibt die Hoffnung, dass die Geld-druck-Maschine wieder anspringt (Euro-Bonds?), dann werden die auch wieder neue Autos... äh Fiats auf den Hof stellen. Ich will die Dinger aber nicht fahren und schon gar nicht zahlen!

  • Für alles gibt es heute eine "tolle Ausrede"! Die Ausrede von Fiat für ausbleibende Innovationen ist ein völlig anders Reagieren auf Konjunkturzyklen! So kann man auch umschreiben, dass man nichts mehr auf der Pfanne hat. Das erinnert mich irgendwo an die deutsche Kriegspropaganda, bei der Rückzüge immer als "Frontbegradigung" propagiert wurden. Die armen Fiat Händler- seit Jahren das Gleiche im Show-Room. Bei Alfa das Gleiche. Von Lancia redet niemand mehr!
    8ZXxvj

  • "Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach" . so fährt Fiat. Die deutschen Autobauer lassen sich gerne wertlose Versprechen in Form von Zettelchen als Zahlung geben. Fiat ist da irgendwie schlauer!

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