Modemarke Aigner in Mailand
„Das Teuerste sind die Mädchen“

Der Modekonzern Aigner ist einer der letzten deutschen, der sich in Mailand auf den Laufsteg wagt. Sein Konzept aus softem Imagewandel und Expansion scheint aufzugehen. Eine Handelsblatt-Reportage über das turbulente Geschäft der Haute Couture.

MAILAND. Warum geht es nicht los? Michael Kamm rutscht auf seinem Sitz im Saal „Manzoni“ hin und her. 350 Journalisten und Einkäufer sind in die Via Gattamelata gekommen, um seine Schau, die Modenschau von Aigner, zu sehen. Die Nervosität des Vorstandschefs kommt nicht von ungefähr – 15 Minuten Laufsteg entscheiden über die Abverkäufe der gesamten nächsten Saison. Und Mailand – das weiß Kamm nur zu gut – ist ein glitschiges Pflaster für Mode aus Deutschland.

„Bleib sitzen! Du kannst nichts machen. Bleib bitte ...“ – die Worte seiner Frau halten den 47-Jährigen nicht. Kamm springt auf, verschwindet hinter den Aufbauten. Als er wieder zurück ist, drückt er mit Daumen und Zeigefinger die Nasenflügel zusammen. Er weiß: 55 Minuten über die Zeit ist genug. Eine Stunde, das können sich gerade mal Prada und Bottega Veneta leisten – und das sind Italiener.

Nervöse Modemacher, hektische Journalisten, ein anspruchsvolles Publikum – die Milano Moda Donna, die Damenmodewoche von Mailand, bringt sie alle zusammen. Die Schau ist nicht nur eines der Ereignisse in der Modewelt. Sie ist auch ein gewagter Auftritt für deutsche Modezaren. Doch ein Label behauptet sich seit Jahren: Aigner. „Aigner“, lobt Christina Schmid-Preissler von der gleichnamigen Unternehmensberatung, „tritt heute viel jünger und professioneller auf als noch vor zwei Jahren.“

Wer auf der Milano Moda Donna zweimal im Jahr zeigt, zählt zum exklusiven Kreis der Edelschneider. Giorgio Armani, Prada, Gucci, Dolce & Gabbana, Versace und andere präsentierten vergangene Woche ihre Entwürfe für Frühjahr/Sommer 2007. Insgesamt 103 Schauen in acht Tagen.

Deutsche Modehäuser tun sich schwer in der lombardischen Metropole. Die Ansprüche an Qualität und Design sind hoch, und das verwöhnte Publikum ist nur schwer zu begeistern: Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit müssen verwoben werden. Strenesse etwa verschwand 2004 nach fast zehn Jahren wieder vom Schauenkalender. Vor wenigen Tagen dann beorderte Vorstandschef Gerd Strehle selbst das Kreativteam für die Herrenkollektion aus Mailand zurück nach Nördlingen.

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